Dr. med. Stefan Weingärtler – 100 Tage Chefarzt der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe

Die ersten 100 Tage

Forchheim – Dr. Stefan Weingärtler leitet seit Anfang August 2017 als Chefarzt die Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Klinikum Forchheim. Es ist an der Zeit, die ersten hundert Tage Revue passieren zu lassen.

Herr Dr. Weingärtler, wie waren die ersten 100 Tage als Chefarzt?
Anstrengend. Ich war viel mit Papierkram beschäftigt. Aber es macht auch viel Spaß. Ich habe viel Zuspruch erhalten, Viele haben mir gratuliert. Es macht Spaß, selber zu organisieren und eigene Ideen einzubringen.

Was haben Sie bereits umgesetzt?
Prinzipiell wollte ich nicht alles Bewährte über den Haufen werfen. Ich habe die Zertifizierung des Beckenbodenzentrums auf den Weg gebracht. Bei 40 bis 50 Prozent der Frauen kommt es im Laufe des Lebens zu einer Überlastung des Beckenbodensytems. Dabei senken sich Blase, Gebärmutter, Scheide und Enddarm durch die Dehnung des Bindegewebes, welches Halt verschaffen sollte. Oft ist dadurch die Funktion von Blase oder Darm gestört. Währen der Schwangerschaft und Geburt ist die Beckenbodenmuskulatur besonders großen Belastungen ausgesetzt. Daher versuche ich mit beckenbodenorientierter natürlicher Geburtshilfe Spätfolgen zu vermeiden.
Außerdem hat die Personalsituation meine Zeit gebunden, denn die neuen Mitarbeiter müssen eingearbeitet werden.
Zudem habe ich mich für eine Namenänderung meines Fachbereiches stark gemacht. Anstatt „Gynäkologie – abgeleitet von griechisch gyné, Frau – und Geburtshilfe“ sollte man für beide Begriffe die deutsche Bezeichnung verwenden, also „Frauenheilkunde und Geburtshilfe“. Wir nennen uns jetzt auch „Frauenklinik am Klinikum Forchheim“ anstatt „Abteilung“, weil ich der Meinung bin, dass wir uns vor den umliegenden Kliniken nicht verstecken müssen und unser Licht nicht unter den Scheffel stellen wollen.

Was sind Ihre Pläne?
Mein primäres Ziel ist die Zertifizierung des Beckenbodenzentrums. Die Anforderungen umfassen einen bestimmten Operationskatalog und qualifizierte Physiotherapieangebote.
Ich muss die Unterlagen einreichen.
Zusammen mit der Physiotherapie und den Hebammen will ich zudem ein Konzept erarbeiten, um den Schwangeren und Wöchnerinnen in der Klinik die Beckenbodenproblematik näher zu bringen. Wir wollen ein Bewusstsein für den Beckenboden schon um die Geburt, bereits in der Klinik erwecken.

Am 10. März 2018 laden wir Hebammen aus Ober- und Mittelfranken zu einem Symposium zu diesem Thema nach Forchheim ein. Schließlich plane ich bei der Welt- Kontinenzwoche, im Juni 2018 eine Veranstaltung zum Thema Beckenbodenzentrum. Bis dahin möchte ich noch in Forchheim die sakrale Neuromodulation einführen, einem Therapieverfahren zur Behandlung komplexer Blasen- und Darmfunktionsstörungen. Dazu wird ein Generator (ähnlich einem Herzschrittmacher) und zwei Elektroden am Kreuzbein implantiert, ein sogenannter „Blasenschrittmacher“. Ziel ist es, eine Spezialklinik für Dranginkontinenzprobleme zu etablieren. Unsere Klinik führt auch als eine von bisher wenigen Kliniken CESA/VASA Operationen durch, bei der die hinteren Haltebänder des Beckenbodens ersetzt werden, um die Organe (Blase, Gebärmutter, Scheide) wieder in ihre korrekte Position zu bringen, damit die Funktion und damit die Kontinenz wieder hergestellt ist. Wir nehmen dabei an einer Studie zu dem Thema teil und haben Anfragen erhalten, ein internationales Ausbildungszentrum zu werden.

Schließlich ist eine regelmäßig stattfindende „Tumorkonferenz“ gemeinsam mit der Onkologie angedacht: Der Strahlentherapeut, der Onkologe oder Internist, der Chirurg und ich als Frauenarzt besprechen dabei konkrete Fälle von zu behandelnden Patienten.

Vielen Dank für das Gespräch!

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