Sommerzeit ist Rasenmäherzeit

Forchheim, 06. August 2021 – Während der Sommermonate passieren viele Unfälle mit Schneidegeräten.

Was muss man tun, wenn Körperteile verletzt oder gar abgetrennt wurden? Dr. med. Philipp Blanke, der neue leitende Oberarzt der Unfallchirurgie, der seit dem 20. Juli 2021 für das Klinikum in Forchheim praktiziert, gibt Tipps:

Zuerst empfiehlt der Unfallchirurg in solchen Fällen schnellstmöglich medizinische Hilfe aufzusuchen, da jede Verletzung individuell sei. Bei abgetrennten Fingern komme es beispielsweise darauf an, welcher Finger betroffen ist und auf welcher Höhe. Grundsätzlich werden Fingerreplantationen ausschließlich von spezialisierten Handchirurgen vorgenommen.

„Sie sollten das Implantat kühlen und es in das Krankenhaus mitbringen. Am besten legen Sie das abgetrennte Körperteil in eine Plastiktüte und diese stecken Sie in einen Eisbeutel. Rufen Sie den Rettungsdienst für den Transport.“

Er desillusioniert: „Viele denken, ich komme dann mit meinem Finger und der wird wieder angenäht und alles wird gut. Das ist aber in der Regel nicht der Fall.“ Damit ein Implantat wieder angenäht werden kann, erfordert es unter anderem möglichst saubere Wundverhältnisse und einen relativ glatten Schnitt auch durch den Knochen. Bei Abtrennungen durch Rasenmäher oder Kreissäge sind die Gewebe allerdings häufig so zerstört, dass eine Replantation nicht oder nur schwer möglich ist. Inwieweit aus der Replantation auch eine gute Funktion der Gliedmaße resultiert, ist postoperativ häufig nicht absehbar. Oft ist eine ordentliche Amputation funktionell besser als eine Replantation.

Was muss man bei Knochenbrüchen beachten?

Dr. Blanke gibt zu bedenken, dass die meisten Menschen initial nicht einschätzen können, ob es sich wirklich um einen Knochenbruch handelt. Es entsteht eine Schwellung, sie fühlen Schmerzen. Wenn jemand beim Gehen umknickt, kann der Außenknöchel gebrochen sein oder das Außenband gezerrt oder gerissen sein. Ein Bruch von Innen- und Außenknöchel kann unter Umständen eine komplette Instabilität des Sprunggelenkes zur Folge haben. Wenn der Betroffene also vor Schmerzen nicht mehr auftreten kann und der Fuß ist stark angeschwollen, dann ist eine Abklärung im Klinikum der richtige Weg.  Wenn der Schmerz nicht zu stark und die Schwellung moderat ist und man den Fuß noch bewegen und vielleicht sogar belasten kann, kann man unter Umständen die Stelle kühlen und vielleicht noch den nächsten Tag abwarten. Sollte jedoch ein Knochenbruch angenommen werden, weil etwa ein Knochenende aus der Haut sticht, oder wenn Schmerzen und Schwellung massiv sind, empfiehlt Dr. Blanke unmittelbar und sofort ins Krankenhaus zu kommen. Wesentlich sei eine realistische Selbsteinschätzung, wie schwer jemand verunfallt ist und im Zweifelsfall ist Vorsicht und der Weg ins Krankenhaus anzuraten.

Schwerpunkt Alterstraumatologie

Seine Schwerpunkte setzt der 55-Jährige in den Bereichen Endoprothetik, Alterstraumatologie und Fußchirurgie. Seit 2009 ist er zertifiziert durch die Gesellschaft für Fußchirurgie. Im Christlichen Klinikum Unna leitete er die Unfallchirurgie und die zentrale Notaufnahme in Personalunion. Dort verantwortete er auch, von Seiten der Klinik für Unfallchirurgie, den Aufbau eines alterstraumatologischen Zentrums in Zusammenarbeit mit der Klinik für Geriatrie.  Am Klinikum in Forchheim möchte Dr. Philipp Blanke die alterstraumatologische Behandlung weiter optimieren, denn der überwiegende Teil der Patienten des Klinikums Forchheim wird in fortgeschrittenem Alter stationär aufgenommen.

„Ich glaube, dass man dem demographischen Wandel Rechnung tragen muss. Hierbei ist wichtig zu erkennen und zu akzeptieren, dass die sich Bedürfnisse und Erwartungen älterer Menschen im Hinblick auf Ihre spezifische medizinische Versorgung deutlich geändert haben“, sagt der gebürtige Frankfurter, der mit Frau und Tochter in Marktbreit in der Nähe von Würzburg lebt.

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