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Forchheim, 9. Dez. 2020 – Seit hundert Tagen ist Dr. Hannes Seuß als Chefarzt der Radiologie am Klinikum Forchheim–Fränkische Schweiz tätig – Zeit für ein Interview:

Herr Dr. Seuß, wie sind Ihre ersten Eindrücke?

Ich wurde gleich freundlich empfangen mit Bier, wie es sich für Forchheim gehört, und einem Gastronomiegutschein, den ich aus gegebenem Anlass zu einem späteren Zeitpunkt einlösen werde. Ich habe auch schon eine Wohnung für meine Familie am Kellerwald gefunden.

Vorher waren Sie am Radiologischen Institut am Universitätsklinikum Erlangen tätig. Was fällt Ihnen im Vergleich zum Klinikum Forchheim-Fränkische Schweiz auf?

Das Klinikum ist kleiner. Man ist schnell per ‚Du“ und man redet viel, viel mehr miteinander. Auf dem kurzen Weg – beim Mittagessen – kann ich Vieles klären. Es läuft hier alles ein bisschen gemächlicher ab und so habe ich genügend Zeit, um mich ausführlich um jeden einzelnen Patienten zu kümmern.

Was wird an der technischen Ausstattung erneuert?

Wir bekommen einen neuen Magnetresonanztomographen mit 3 Tesla. Seine stärkeren Gradienten liefern bessere und schnellere Bilder, die neue Software ist anwenderfreundlicher und mit den neuen Programmen kann man noch vielfältigere neue Untersuchungen durchführen. Ich bin der Meinung, dass dieses Gerät momentan das mutmaßlich beste MR-Gerät ist, das es auf der Welt gibt.

Außerdem wird ein deckenmontiertes Röntgensystem das jetzige ersetzen. Das Klinikum in Forchheim wird eines der ersten Orte weltweit sein, in dem dieses System eingesetzt wird.

Sie haben sich vorgenommen die Abläufe zu optimieren.  Was sind die ersten Schritte?

Gerade versuche ich bei der Kassenärztlichen Vereinigung eine Ermächtigung für die Mammographie zu erhalten, um auch wieder ambulante Patienten im Klinikum untersuchen zu können.

Außerdem habe ich unter den eigenen Mitarbeitern eine Stärken-Schwächen-Analyse der Abteilung durchgeführt – ich erhielt 131 Anmerkungen. Dabei wurden der gute Zusammenhalt und die Hilfsbereitschaft gelobt, die konstruktive Personalführung, auch unsere modernen Geräte und die Kompetenz der Fachkräfte. Als eine Schwäche bzw. als mögliches Risiko für die Zukunft wurde die steigende Komplexität der Untersuchungen genannt, die nur von speziell geschulten Mitarbeitern durchgeführt werden können. Als Gegenmaßnahme werden ab dem kommenden Jahr regelmäßige interne Schulungen in einem Fortbildungskalender geplant. Wir sind außerdem dabei, einheitliche, standardisierte Vorgehensweisen, sog. SOPs bei Untersuchungen, zu etablieren. Zum Beispiel wurden bei einer Drainagen-Einlage die Vorbereitung, Durchführung und Dokumentation strukturiert. Die Kontrolle erfolgt über Checklisten. Wie? Wer? Was? Wann?

Meine eigene Ermächtigung zur Ausbildung von Assistenzärzten ist eine Frage der Zeit: Ich bin noch zu jung – mir fehlt noch ein Jahr. (Anmerkung d. Klinikums: Dr. Seuß ist 35 Jahre alt) Außerdem halte ich die Einführung von Patientenarmbändern für sehr wichtig, mit denen relevante Behandlungsdaten ‚am Patienten‘ gespeichert werden.

Mittlerweile führe ich auch rund einmal pro Woche computertomographiegesteuerte Probeentnahmen bzw. Biopsien durch, sogenannte Interventionen. Mit einer Hohlnadel entnehme ich Gewebe zur anschließenden feingeweblichen Untersuchung. Die CT‑Steuerung eignet sich auch zur minimalinvasiven Ableitung von Flüssigkeiten oder Abszessen. Die Vorteile für den Patienten liegen auf der Hand: Eine lokale Betäubung, ein kleiner Stich mit niedrigem Infektionsrisiko und geringem Schaden.

Vielen Dank für das Gespräch!

Foto: Klinikum Forchheim-Fränkische Schweiz

Bildunterschrift: Dr. Hannes Seuß erläutert die CT-gesteuerte Interventions-Technik mittels einem Einmal-Biopsiesystem

Forchheim, 17.08.2020 – Am 1. September 2020 tritt Dr. med. Hannes Seuß seine Stelle als Chefarzt der Radiologie im Klinikum Forchheim an. Der gebürtige Bayreuther konnte sich im Bewerbungsverfahren durchsetzen, weil er aufzeigte, wie das Potenzial dieses Fachbereiches gehoben werden kann.

Die Radiologie ist für jedes Krankenhaus ein kostenintensiver Bereich, weil – neben anderen Kosten – die Anschaffung der hochkomplexen Geräte für bildgebende Verfahren teuer ist. Hannes Seuß ist begeistert von der Ausstattung in Forchheim und Ebermannstadt: „Die  Geräte sind top!“ Jetzt müsse man die Abläufe verbessern, so der ärztliche Qualitätsmanager, der vorher als Oberarzt am Universitätsklinikum Erlangen in der Radiologie tätig war. Sein oberstes Ziel ist es, die Leistungen der Radiologie schnell und im interdisziplinären Austausch zu erbringen, damit kein Patient länger liegen muss, weil er auf die Radiologie wartet.  Als Spezialist für CT-gesteuerte Interventionen, wie minimalinvasive Biopsie-Entnahmen oder lokale Tumortherapien, möchte er diese Leistungen auch hier in Forchheim etablieren.

Bildgebende Verfahren

Das Spektrum der bildgebenden Verfahren ist vielfältig. Vergleichsweise einfach ist ein konventionelles Röntgenbild, ein T1-mapping des Herzens ist komplexer. Zur Festlegung der richtigen Therapie eines Schlaganfalls kann sehr schnell ein Perfusions-CT angefertigt werden, denn jede Sekunde zählt!

Nachfrage nach radiologischen Leistungen steigt

Die Zahl der radiologischen Leistungen in Krankenhäusern steigt kontinuierlich, weil immer neue Fragestellungen mit bildgebenden Methoden beantwortet werden können. Zum Beispiel kann eine Verengung der Herzkranzgefäße mittlerweile mit einer Computertomographie ermittelt werden oder ein Brustkrebs, der in der Röntgen-Mammographie unsichtbar ist, mittels Magnetresonanztomographie enttarnt werden.

Der Ärztliche Direktor am Standort Forchheim, Prof. Dr. med. Jürgen Gschossmann, begrüßt den Neuzugang: „Wir freuen uns, dass wir Herrn Dr. Seuß für das Klinikum gewinnen konnten. In den beiden Häusern kennt jeder jeden und deshalb sind die Kommunikationswege kurz. Das ist sehr vorteilhaft, wenn man gestalten möchte.“

Zur Person

Hannes Seuß ist 34 Jahre alt, hat in Erlangen Medizin studiert und studiert weiterhin an der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Friedrich-Alexander-Universität den Master of Health Business Administration. Nach seiner Station als Assistenzarzt im Kantonsspital St. Gallen wechselte er 2014 nach Mittelfranken an das Universitätsklinikum Erlangen, wo er Anfang 2020 zum Oberarzt ernannt wurde. Er lebt mit seiner Partnerin, ebenfalls Radiologische Oberärztin, in Nürnberg, Kinder hat er keine, „sind aber in Planung“ und in seiner Freizeit fährt er auf bis zu 600 km-lange Bikepacking-Touren quer durch Franken. Sportlich engagierte er sich als Kunst-, Turm- und Klippenspringer, wobei 20 m beim Swiss Open Cliff Diving Championship seine größte Höhe war. In dieser Zeit ist er auch Teil der deutschen Splash-Diving Nationalmannschaft gewesen und erreichte das Finale der Weltmeisterschaft.

Foto: v.l. Geschäftsführer Sven Oelkers, Ärztlicher Direktor Prof. Dr. Jürgen Gschossmann, Dr. med. Hannes Seuß und Dr. med. Gerald Beck, Leitender Oberarzt der Radiologie