Pendeln zwischen der Berliner Charité und dem Klinikum Forchheim-Fränkische Schweiz – Neuer Leitender Oberarzt Dr. Giuseppe Filiberto Vercellino

Forchheim, 15.Dez. 21 – Privatdozent Dr. med. Giuseppe Filiberto Vercellino ist seit Oktober 2021 der neue leitende Oberarzt der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Klinikum Forchheim-Fränkische Schweiz.

Der 56-Jährige stammt aus Turin, arbeitete als Gynäkologe seit 2007 an der Charité in Berlin, wo er 2014 promovierte, 2015 zum Privatdozenten habilitierte inklusive Lehrbefähigung und Lehrbefugnis und dort immer noch unterrichtet.

Thema der Doktorarbeit: Gebärmutterhalskrebs

Seine Doktorarbeit handelt von einer experimentellen Studie über die Behandlung von Gebärmutterhalskrebs bei einem Tumor, der größer als 2 cm ist. Auf einen Tumordurchmesser bis zu 2 cm beschränkt sind bis dato die aktuellen Leitlinien, die eine fortpflanzungserhaltende Therapie empfehlen durch ein Operationsverfahren, bei dem Teile des Gebärmutterhalses und des Gebärmutterkörpers bei Metastasenfreiheit nicht entfernt werden. Diese sogenannte radikale Trachelektomie wurde 1994 entwickelt.

Primär- und Sekundärprävention

Auch heute noch sterben pro Jahr rund 1.700 Frauen in Deutschland an Gebärmutterhalskrebs. Doch es gibt Primär- und Sekundärprävention, die dieser Krebsform den lebensbedrohlichen Schrecken nehmen. Zu der Primärprävention zählt die HPV-Impfung für Mädchen bevor sie Geschlechtsverkehr haben. Studien belegen, dass 80 bis 100 Prozent der sexuell aktiven Bevölkerung in Deutschlang schon einmal in Kontakt war mit Humanen Papillomviren (HPV), die Gebärmutterhalskrebs auslösen können. Die Übertragung erfolgt durch intime Haut- und enge Körperkontakte wie Petting oder beim Sex. Eine Ansteckung ist schon beim ersten sexuellen Kontakt möglich. Daher sollte die Impfung vor dem ersten Sex abgeschlossen sein.  Ein regelmäßiger PAP-Test (Papanicolaou-Test, Abstrich von Zellen am Gebärmutterhals), der ab dem 35. Lebensjahr mit einem HPV Test kombiniert werden kann, stellt die Sekundärprävention dar, mit deren Hilfen die Zahl dieser Krebserkrankung stark reduziert werden konnte.

Tailormade Medicine

Dr. Giuseppe Vercellino sieht in der sogenannten ‚Tailormade Medicine‘ – eine auf die einzelne Patientin zugeschnittene Behandlung – die Zukunft der Medizin: „Ich habe echt eine Leidenschaft für meine Arbeit als Arzt und jede Person sollte am besten individuell betrachtet und behandelt werden.“ Sein Credo lautet „Primum non nocere, secundum cavere, tertium sanare“ (erstens nicht schaden, zweitens vorsichtig sein, drittens heilen) und ist in Verbindung mit dem hippokratischen Eid die Leitlinie seines Handelns.

Auf der Durchreise in Jena gelandet

Dass der Gynäkologe, der fünf Sprachen fließend spricht, in Deutschland sesshaft geworden ist, war purer Zufall, erinnert er sich. Seit 1991 war er in Turin als Frauenarzt tätig und 2001 verschlug es ihn für ein Jahr als Fach- und Assistenzarzt an die gynäkologische Abteilung der Universitätsklinik in Jena.

Patientinnen individuell behandeln

Den Wechsel an das Klinikum Forchheim-Fränkische Schweiz begründet er mit seinem Wunsch mehr auf seine Patientinnen eingehen zu können. In großen Kliniken würden Ärzte sehr viel Wert auf ihr berufliches Weiterkommen legen, so Vercellino. In seinen bisherigen Kliniken ging es oft darum, Karriere machen zu können. Dies ist nicht immer nur zum Vorteil der Patientinnen-Versorgung. Das Ziel seiner operativen Tätigkeit lautet: „Der beste Chirurg ist der, der am wenigsten operiert, weil er weiß, was er operieren muss“. Dieses Ziel kann der Privatdozent unter den Gegebenheiten in Forchheim ideal verwirklichen.

Neben seinem Spezialgebiet Gebärmutterhalskrebs ist er außerdem Experte auf dem Gebiet des Endometriumkarzinoms – einer Krebserkrankung der Gebärmutterschleimhaut – und beschäftigt sich mit Endometriose.

Sein Fachgebiet – Endometriose, ‚Chamäleon der Gynäkologie‘

Unter Endometriose, die auch ‚Chamäleon der Gynäkologie‘ genannt wird, weil die Symptome – Krämpfe, Übelkeit, Bauchschmerzen, Regelschmerzen und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr – so vielfältig sind, versteht man die Ansiedlung von gebärmutterschleimhautähnlichem Gewebe außerhalb der Gebärmutter. Dieses Gewebe verhält sich wie die Gebärmutterschleimhaut: Es blutet während der Menstruation und kann Zysten und Entzündungen verursachen. Für betroffene Frauen können die zyklischen Schmerzen so dominierend sein, dass sie eine Entfernung der Gebärmutter in Betracht ziehen. Es gibt keine Heilung. Erst der Übergang in die Wechseljahre verschafft Abhilfe.

Dr. Giuseppe Vercellino hat vor allem gelernt seinen Patientinnen gut zuzuhören. Er vergleicht: „Wenn man 50-jährige Frauen bittet, eine 100-Meter-Strecke zu laufen, werden da ganz unterschiedliche Zeiten rauskommen, weil jede ein Individuum ist.“ Das biologische Alter unterscheidet sich. „Ich stelle gezielte Fragen. Ist die Frau sexuell aktiv? Was sind die Rahmenbedingungen? Gab es in der Familie vergleichbare Erkrankungen?“

Superhappy in Forchheim

In Forchheim ist der Frauenarzt ‚superhappy‘. Mittlerweile ist er mit seiner Frau, die aus den Philippinen stammt, in die Königsstadt gezogen. Er habe keine Kinder, „aber tonnenweise Nichten!“  Als Hobby zählt er das gemeinsame Kochen mit seiner Frau auf und Fahrradfahren als sportlichen Ausgleich. Er liest und verreist gerne.

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