Patientensicherheit – kontinuierlich überprüft und optimiert

Forchheim, 13. Dez. 2021 – Im Jahr 2020 wurden in Deutschland rund 6200 Behandlungen im
Krankenhausbereich beanstandet – und durch die Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen bei den Ärztekammern bewertet. Um solche Probleme zu vermeiden, richtet das Klinikum Forchheim-Fränkische Schweiz ein verstärktes Augenmerk auf die Patientensicherheit. Alle Maßnahmen, die möglich sind, um Schäden in Zusammenhang mit dem Krankenhausaufenthalt zu vermeiden, werden kontinuierlich überprüft und optimiert.

Operationssaal – ein Hochrisikobereich

Katja Severa, stellvertretende Qualitätsmanagementbeauftragte am Forchheimer Standort, zählt den Operationsbereich zum Hochrisikobereich: „Hier ist viel interprofessionelle Zusammenarbeit gefordert zwischen den Teams – zwischen den OP- und Anästhesie- Pflegekräften sowie den Ärzten – da kann es zu Missverständnissen kommen, deshalb müssen alle Beteiligten eine Sicherheitscheckliste abarbeiten bevor der Patient in den OP- Bereich gebracht wird.“ Zuerst wird die Identität der Patienten überprüft – dann, dass die Patienten auf dem richtigen OP-Tisch gelagert werden und ob die Seitenmarkierung stimmt. Die Sicherheitscheckliste wurde 2008 von der WHO entwickelt und umfasst 19 Punkte rund um eine Operation, die beachtet werden müssen. Kann es z.B. zu Komplikationen während der Narkose kommen, weil der Patient im Vorfeld Blutverdünnungsmittel genommen hat? Nach der Narkoseeinleitung kommt die „Team-Time out“-Phase vor dem ersten Schnitt in die Haut.
Der Operateur und das Team stellen den Patienten nochmal vor. Liegt der „richtige“ Patient auf dem OP-Tisch und ist der vorgesehene Eingriff der „richtige“? Erst wenn alle Fragen abgeprüft sind, beginnt die Operation.

Um die Identität jederzeit zweifelsfrei feststellen zu können, erhält jeder stationäre Patient des Klinikums ein Patientenarmband mit einem Barcode, der mit einem Scanner ausgelesen werden kann. Patientenidentifikation, Name, Geschlecht und Geburtsdatum sind hinterlegt und können mit der elektronisch geführten Patientenakte abgeglichen werden.

Gefahr bei der Medikamentengabe

Das Klinikum an der Wiesent verfügt außerdem über eine elektronische Arzneimitteldatenbank, die den originalen Medikationsplan zuerst in der Krankengeschichte automatisiert abgespeichert, bevor eine Änderung und Neuausstellung durchgeführt wird.
Der Medikationsplan lässt sich auch auf die Krankenkassenkarte schreiben: Für die Patienten ein enormer Vorteil, da bereits ausgestellte Medikationspläne für Behandlungen oder Weiterbehandlungen digital zur Verfügung stehen. Außerdem kann schneller eine Unverträglichkeit festgestellt werden. Die Datenbank ersetzt aber nicht das sogenannte Vier- Augen-Prinzip beim Zusammenstellen der Medikamente. Das bedeutet, dass sich zwei Pflegekräfte gegenseitig kontrollieren. Auch am nächsten Tag, wenn die zusammengestellten Tabletten ausgegeben werden, wird noch einmal die Richtigkeit anhand der elektronischen Patientenkurve überprüft.

Internes Fehlermeldesystem

Anfang 2022 wird auch das neue, internetbasierte CIRS-Portal einsatzfähig sein. Die Kommunikation läuft über das Intranet. CIRS steht auf englisch für „Critical Incident Reporting System“ – auf deutsch: „Fehlermeldesystem von kritischen Ereignissen“. „Das hilft uns aus den Fehlern, die im Haus passieren, zu lernen. Das Portal bietet Mitarbeitern an, Fehler und optimierungsfähige Abläufe oder missglückte Prozesse anonym und vertraulich zu schildern, damit bei einer Häufung Fehlerquellen behoben und Prozesse umstrukturiert werden können.“
Die Risikomanagerin unterstreicht: „Uns ist es wichtig, dass auch positive Ereignisse gemeldet werden. Wenn jemand auf einer Station ein Problem erkannt hat und es innerhalb der Abteilung gelöst wird, dann können andere von diesem Wissen profitieren und letzten Endes ist es ja auch tatsächlich so, dass die meisten Handlungen positiv sind und die Fehler gering.“

Zertifikatslehrgang ‚Fokus Mensch – Patientensicherheit aktiv gestalten‘

Um das Wissen weiter zu vertiefen ist Katja Severa eine der ersten, die berufsbegleitend den neuen fünfmonatigen Zertifikatslehrgang „Fokus Mensch – Patientensicherheit aktiv gestalten“ an der TU München absolviert. Nach erfolgreichem Abschluss Anfang 2022 ist sie die Patienten sicherheitsbeauftragte des Klinikums Forchheim-Fränkische Schweiz.

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