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Herr Dr. Lehmann, seit rund einem Jahr wenden Sie ein roboterarmassistiertes Operationsverfahren beim Kniegelenkersatz an. Welche Vorteile entstehen daraus für den Patienten?

Dr. Uwe Lehmann: Mit dem MAKOplastie®, mit der wir bereits mehr als 100 Patienten operiert haben, können wir viel präziser – auf 1/10 Millimeter genau – das Prothesenbett sägen. Vorher wird die Prothese exakt positioniert und zu Beginn der Operation noch eine Feinabstimmung der Bänderspannung vorgenommen. Bei einer Befragung unserer Mako®-Patienten sechs Wochen nach der OP waren diese wesentlich zufriedener mit ihrer neu erlangten Beweglichkeit. In einer englischen Vergleichsstudie von 40 herkömmlich Operierten und 40 Patienten mit Mako®-Knietotalendoprothese wiesen Letztere weniger postoperative Schmerzen auf, konnten nach kürzerer Zeit das gestreckte Bein heben und haben ihren Krankenhausaufenthalt um fast 30 Prozent verkürzt. Knapp hundert wissenschaftliche Studien und unabhängige Prothesenregisterdaten zeigen bessere funktionelle Ergebnisse und niedrigere Revisionsraten, erforderten also weniger häufig einen Folgeeingriff.

Wie funktioniert diese neue Technologie?

Dr. Uwe Lehmann: Zuerst wird eine spezielle Planungs-Computertomografie (CT) angefertigt, die die individuelle Anatomie des Patienten erfasst. Das daraus resultierende 3D- Modell dient als Planungsgrundlage der Prothese. Während der Operation nutzt der Operateur die roboterarmunterstützte Technologie zum Sägen des Prothesenbetts. Bei einer Abweichung von der Planung stoppt der Sägevorgang automatisch. Keine Bänder- oder Nervenstrukuren können beschädigt werden.

Müssen gesetzlich Krankenversicherte für diese Operation zuzahlen?

Dr. Uwe Lehmann: Nein, es entstehen keine zusätzlichen Kosten für gesetzlich oder privat versicherte Patienten.

Danke für das Gespräch!

MAKO Patienteninformationsveranstaltung

Forchheim – Aufgerufen von der Felix Burda Stiftung, der Stiftung LebensBlicke und dem Netzwerk gegen Darmkrebs e.V. steht der Monat März im Zeichen der Darmkrebsvorsorge. Unter dem Motto „Es gibt kein zu jung für Darmkrebs. Rede mit Deiner Familie!“ engagieren sich Medien, Gesundheitsorganisationen und Kliniken für die Vorsorge. Das Klinikum Forchheim-Fränkische Schweiz informiert.

Nach Prostata- bzw. Brustkrebs sind bösartige Neubildungen des Dickdarms und des Mastdarms die zweithäufigste Krebserkrankung laut dem Zentrum für Krebsregisterdaten am Robert Koch Institut. Deutschlandweit erkranken jährlich 73.000 Menschen an dem kolorektalen Karzinom, das im Colon (Dickdarm) und/oder im Mastdarm entsteht und 95 Prozent aller bösartigen Darmtumore ausmacht. Noch beunruhigender ist, dass Darmkrebs auch die zweithäufigste Krebstodesursache darstellt. Prof. Dr. Jürgen Gschossmann, ärztlicher Direktor in Forchheim und Chefarzt der Klinik für Innere Medizin am Klinikum, erklärt warum: „Bei vielen wird das kolorektale Karzinom erst diagnostiziert, wenn es sich schon in fortgeschrittenen Stadien (III und IV) befindet. Leider gibt es keine charakteristischen Symptome – Patienten klagen über allgemeine abdominelle Beschwerden oder Änderung der Stuhlgewohnheiten – so dass viele sich zu spät untersuchen lassen. Einige leiden auch an Fieber, Nachtschweiß, Gewichtsverlust, Müdigkeit oder allgemeiner Leistungsminderung.“

Im Wachstumsstadium III und IV liegt die Wahrscheinlichkeit des Patienten die nächsten fünf Jahre zu überleben bei rund 60 Prozent beziehungsweise acht Prozent.

Früherkennung durch Darmspiegelung

Karzinome entwickeln sich fast immer aus Wucherungen, die sich in der Schleimhaut des Dickdarms bilden, sogenannten Darmpolypen. Aber nicht alle Polypen entwickeln sich zu einem Krebs – und wenn, dauert es viele Jahre. Eine Möglichkeit zur Vorbeugung ist die Darmspiegelung (Koloskopie), bei der Polypen entfernt werden können. Die Darmspiegelung stellt die wichtigste Methode zur Früherkennung von Darmkrebs dar. Gastroenterologe (Magen-, Darmspezialist) Prof. Gschossmann untersucht dabei den Darm mit Hilfe eines schlauchartigen Instruments, dem Endoskop. Während der Untersuchung können die Polypen entfernt werden und so die Entstehung des Kolonkarzinoms drastisch reduziert werden. Obwohl die Untersuchung selbst nur 20 bis 30 Minuten dauert, sollte man sich zwei Tage Zeit nehmen, weil vorher der Darm mittels einer Abfuhrlösung gereinigt werden muss und hinterher benötigt man Ruhe.

Was passiert bei einer Darmspiegelung?

Die Spiegelung kann ambulant vorgenommen werden. Durch ein kurz vor der Behandlung verabreichtes Beruhigungsmittel empfinden die meisten Patienten die Koloskopie als schmerzfrei. Über den After wird das flexible Endoskop, bei dem Bild und Licht mittels Videochip übertragen werden, in den Dickdarm eingeführt. Der Arzt lässt Kohlendioxid in den Darm strömen, damit sich dieser weitet und die Darmschleimhaut gut sichtbar ist. Im Vergleich zu Luft hat Kohlendioxid hat den Vorteil, dass es schneller wieder ausgeatmet werden kann und den Darm verlässt. Diese Eigenschaft vermindert Blähungen nach der Untersuchung.

Nun schiebt der Experte das Endoskop, das sich von außen steuern lässt, bis an die Grenze von Dickdarm zu Dünndarm oder auch in das Ende des Dünndarmes vor. Bei der Sigmoidoskopie wird nur der erste Teil des Dickdarms untersucht, deshalb ist eine Koloskopie effektiver und im Sinne einer vollständigen Beurteilung des Dickdarms stets zu bevorzugen. Beim langsamen Herausziehen des Gerätes betrachtet der Gastroenterologe die Darmschleimhaut. Die kleine Kamera, die sich an der Spitze des Endoskops befindet, überträgt die Bilder auf einen Monitor. Gestielte Polypen können mit einer Elektroschlinge, die am Endoskop befestigt ist, abgetrennt werden. Flache Polypen werden erhöht durch das Einspritzen von Medikamenten und werden dann ebenfalls mit der Elektroschlinge entfernt.

„Die Vorsorgekoloskopie ist der Goldstandard der Vorsorgeuntersuchungen“, erklärt Prof. Gschossmann und empfiehlt diese routinemäßig gemäß der Vorsorgeempfehlungen durchführen zu lassen. Wenn diese vom Patienten abgelehnt wird, bleiben als 2. Wahl alternative Untersuchungsverfahren wie die Sigmoidoskopie oder der jährlich durchzuführende fäkale Bluttest (Test auf verstecktes Blut im Stuhl).

Risikofaktoren

Ungünstige Ernährungsgewohnheiten erhöhen das Darmkrebsrisiko, wie z.B. zu fettreiche und faserarme Kost. Ebenso in der Diskussion befinden sich stark gesalzenes, gepökeltes oder geräuchertes als möglichen Auslöser für Darmkrebs. Rauchen und Bewegungsarmut sind ebenfalls negative Faktoren.

Prävention

Ein gesunder Lebensstil mit normalem Körpergewicht und regelmäßiger körperlicher Aktivität gilt als optimale primäre Vorsorge. In einer Studie mit 150.000 untersuchten Personen hat sich ein um 40 Prozent reduziertes Erkrankungsrisiko ergeben, wenn die Probanden pro Woche sieben Stunden zügig spazieren gegangen sind.