Monthly Archives: Dezember 2021

Forchheim/Ebermannstadt, 22. Dez. 2021 – Thorsten Glauber, bayerischer Staatsminister für Umwelt und Verbraucherschutz, überreichte 100 Geschenkpakete für die Mitarbeiter des Klinikums Forchheim-Fränkische Schweiz, die am Heiligabend an beiden Standorten in Forchheim und Ebermannstadt arbeiten.

Thorsten Glauber richtet sich an die Belegschaft: „In herausfordernden Zeiten müssen wir Verantwortung füreinander übernehmen. Ihnen allen gebührt deshalb mein herzlichster Dank und Respekt für Ihren unermüdlichen Einsatz. Auch im Jahr 2021 haben wir die Corona-Pandemie dank Ihnen gut bewältigt! – auch zwischen den Jahren.“
In den Kartons befinden sich Fruchtsäfte. Bei der Wahl der Geschenke wurde auf Regionalität und Umweltverträglichkeit Wert gelegt. Das Geschenk stammt aus einem Familienbetrieb in dritter Generation aus Heroldsbach.
Die Früchte, aus denen die Saftspezialitäten gekeltert wurden, stammen von Bäumen privater Gärten rund um die Mosterei in Heroldsbach, zu der private Gartenfreunde ihre Früchte direkt zur Verarbeitung bringen können.
Die Kronkorkenflaschen wurden im Mehrwegsystem durchschnittlich mindestens bereits 40-mal neu befüllt – durch die Ersparnis von zahlreichen PET-Flaschen ein Gewinn für Umwelt und Klima. Hierauf wurde aber auch bei der Verpackung Wert gelegt. Diese stammt ebenfalls direkt aus Franken.
Der Präsentkarton wurde von einer Forchheimer Firma mit einem weiteren Standort in Coburg gefertigt. Die fränkischen Schmankerl sind in Holzwolle einer Korbwarenfirma aus Lichtenfels gebettet. Die Klinikleitungen an beiden Standorten bedanken sich für die Gaben.

Bundeswehreinsatz am Klinikum Forchheim-Fränkische Schweiz im Rückblick

Forchheim, 13. Dez. – Von Anfang bis Mitte Dezember unterstützten zehn Soldaten der Stabs-/Fernmeldekompanie der Deutsch-Französischen Brigade in Müllheim (Baden-Württemberg) auf den Pflegestationen des Forchheimer Klinikums. Hier waren die Soldaten auf den Stationen Allgemeinchirurgie, Unfallchirurgie, Innere Medizin, Isolierstation und auf der Interdisziplinären Intensivstation eingesetzt, allerdings nicht im pflegerischen, sondern im administrativen Bereich.

Helfer in Uniform

Hauptfeldwebel Marius Horn, Gefechtsstandgruppenführer in der Stabs-/Fernmeldekompanie, blickt auf die Zeit in der Amtshilfe zurück: „Zur Entlastung des Klinikpersonals übernahmen meine Männer und ich all die Tätigkeiten, die nicht am Patienten waren. Wir waren in zwei Schichten aufgeteilt. Die Frühschicht begann um 06:00 Uhr und endete um 13:00 Uhr. Die Spätschicht ging von 13:00 Uhr bis 20:00 Uhr. In dieser Zeit erledigten wir Aufgaben außerhalb des pflegerischen Bereichs, also: Betten machen, Essen verteilen, das Geschirr wieder zurückbringen und die Zimmer reinigen, in denen keine Patienten mehr waren. Als Verantwortlicher vor Ort hielt ich außerdem Verbindung zu unserer Kompanie in Müllheim und mit dem Verbindungskommando aus dem Kreis Forchheim.“ Eine neue Erfahrung außerhalb des militärischen Alltages.

Schäufele, Kloß mit Soß und Bier?

Auf die Frage, wie ihm als Connaisseur der französischen Küche das fränkische Essen geschmeckt habe, antwortete Hauptfeldwebel Horn: „Schäufele kenne ich tatsächlich von daheim, die haben mir schon immer geschmeckt. Insgesamt war das Essen sehr gut – vor allem im Krankenhaus.“ Auf die Frage, ob er denn auch schon bayerisches Bier gekostet habe, antwortete er: „Bier habe ich hier noch gar nicht getrunken.“ Mit einem Schmunzeln fügte er hinzu: „Ich trinke da aber lieber Pils, Bayern gehört ja eher der Weizenfraktion an.“

Doch nicht nur das Essen sorgte für angenehme Abwechslung, auch die schöne Umgebung der fränkischen Schweiz bot die Gelegenheit nach dem anstrengenden Dienst einmal abzuschalten.

Klasse Leistung

Für ihn und seine Kameraden sei der Einsatz relativ kurzfristig angeordnet worden, erklärte Marius Horn. Dank der guten Aufnahme an der neuen Arbeitsstelle hatten sich die Soldaten schnell in das neue Aufgabengebiet eingearbeitet. Wie wichtig ihre Arbeit war, zeigten die durchweg positiven Reaktionen von Patienten und Klinikpersonal. Entsprechend groß waren die Wertschätzung und die Dankbarkeit.

Erfahrungsgewinn

„Was wir auf jeden Fall mitnehmen können ist ein Erfahrungsgewinn. Ein Krankenhaus ist sehr speziell in vielen Belangen. Wir haben festgestellt, dass hier die jeweiligen Stationsteams sehr, sehr gut miteinander zusammenarbeiten können und dass es hier wichtig ist, dass die Teams als Team auch funktionieren.“  Am 15. Dezember reisten die zehn jungen Männer zurück zu ihrer Einheit an die deutsch-französische Grenze in Südbaden. Ob sie ein weiteres Mal zur Amtshilfe nach Forchheim kommen, ist ungewiss.

Das Hebammenteam Forchheim grüßt alle Schwangeren, alle werdenden Eltern, sowie alle Eltern, die ihr Glück schon in den Armen halten und wünscht ein ruhiges besinnliches Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr 2022.

Heute laden wir Sie auf unseren letzten „Quartalspaziergang“ des Jahres 2021 durch den Kreißsaal ein und informieren Sie, was sich in der Zwischenzeit getan hat, oder was auch beim Alten geblieben ist.

Sarah Staudenmayer und Julia Schädlbauer verstärken das Hebammenteam 

Wir freuen uns sehr, dass zwei neue Hebammen frischen Wind in unser Team bringen. Sarah Staudenmayer und Julia Schädlbauer sind zwei junge Kolleginnen, die den Kreißsaal mit tollen neuen Ideen und viel Engagement bereichern. Beide kommen aus großen Kliniken und brennen für eine behutsame Geburtshilfe in entspannter, familiärer Atmosphäre.

Weiterhin ist es so, dass wir Sie -coronabedingt- zur Geburtsanmeldung nicht persönlich im Kreißsaal begrüßen dürfen und meist erst persönlich kennenlernen, wenn sich Ihr Baby auf den Weg macht. Trotzdem sind wir hoch motiviert und können Ihnen alles zur Geburt anbieten, was Ihr Herz begehrt und lassen Sie in aller Ruhe und Ihrem Tempo Ihr Baby zur Welt bringen. Ihre Begleitperson darf Ihnen während der gesamten Geburt als Halt und Stütze beiseite stehen.

Um Sie und uns vor Corona zu schützen, werden Sie beim Betreten des Kreißsaals auf Corona getestet und können dann auch gerne ein Familienzimmer beziehen, um die erste Zeit als kleine Familie von Anfang an zusammen genießen zu können. Ihnen stehen alle möglichen Methoden der Schmerzlinderung zur Verfügung.

Anmeldung per Mail 

Die Anmeldung zur Geburt zwischen der 32. und 36.SSW läuft bequem per Mail/Fax/Post, indem Sie sich die Unterlagen entweder auf unserer Homepage im Bereich Geburtshilfe unter der Rubrik „rund um die Geburt“ herunterladen, von uns per Mail (krs@klinikum-forchheim.de) anfordern oder direkt im Haus an der Pforte abholen. Persönliche Gesprächstermine sind selbstverständlich trotzdem möglich und finden werden unter Berücksichtigung der Infektionsrichtlinien statt.

Um Ihnen Einblicke über unsere Arbeit und in unsere Räumlichkeiten zu ermöglichen, haben wir einen Imagefilm, eine virtuelle Kreißsaalführung und Informationen zur Geburt im Klinikum Forchheim Fränkische Schweiz für Sie bereitgestellt. Den link hierzu erhalten Sie auch gerne per Mail. Schreiben Sie uns einfach mal – wir sind in dieser besonderen Zeit gerne für Sie da!

Wir grüßen herzlich,

Ihr Hebammenteam Forchheim

Forchheim, 15.Dez. 21 – Privatdozent Dr. med. Giuseppe Filiberto Vercellino ist seit Oktober 2021 der neue leitende Oberarzt der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Klinikum Forchheim-Fränkische Schweiz.

Der 56-Jährige stammt aus Turin, arbeitete als Gynäkologe seit 2007 an der Charité in Berlin, wo er 2014 promovierte, 2015 zum Privatdozenten habilitierte inklusive Lehrbefähigung und Lehrbefugnis und dort immer noch unterrichtet.

Thema der Doktorarbeit: Gebärmutterhalskrebs

Seine Doktorarbeit handelt von einer experimentellen Studie über die Behandlung von Gebärmutterhalskrebs bei einem Tumor, der größer als 2 cm ist. Auf einen Tumordurchmesser bis zu 2 cm beschränkt sind bis dato die aktuellen Leitlinien, die eine fortpflanzungserhaltende Therapie empfehlen durch ein Operationsverfahren, bei dem Teile des Gebärmutterhalses und des Gebärmutterkörpers bei Metastasenfreiheit nicht entfernt werden. Diese sogenannte radikale Trachelektomie wurde 1994 entwickelt.

Primär- und Sekundärprävention

Auch heute noch sterben pro Jahr rund 1.700 Frauen in Deutschland an Gebärmutterhalskrebs. Doch es gibt Primär- und Sekundärprävention, die dieser Krebsform den lebensbedrohlichen Schrecken nehmen. Zu der Primärprävention zählt die HPV-Impfung für Mädchen bevor sie Geschlechtsverkehr haben. Studien belegen, dass 80 bis 100 Prozent der sexuell aktiven Bevölkerung in Deutschlang schon einmal in Kontakt war mit Humanen Papillomviren (HPV), die Gebärmutterhalskrebs auslösen können. Die Übertragung erfolgt durch intime Haut- und enge Körperkontakte wie Petting oder beim Sex. Eine Ansteckung ist schon beim ersten sexuellen Kontakt möglich. Daher sollte die Impfung vor dem ersten Sex abgeschlossen sein.  Ein regelmäßiger PAP-Test (Papanicolaou-Test, Abstrich von Zellen am Gebärmutterhals), der ab dem 35. Lebensjahr mit einem HPV Test kombiniert werden kann, stellt die Sekundärprävention dar, mit deren Hilfen die Zahl dieser Krebserkrankung stark reduziert werden konnte.

Tailormade Medicine

Dr. Giuseppe Vercellino sieht in der sogenannten ‚Tailormade Medicine‘ – eine auf die einzelne Patientin zugeschnittene Behandlung – die Zukunft der Medizin: „Ich habe echt eine Leidenschaft für meine Arbeit als Arzt und jede Person sollte am besten individuell betrachtet und behandelt werden.“ Sein Credo lautet „Primum non nocere, secundum cavere, tertium sanare“ (erstens nicht schaden, zweitens vorsichtig sein, drittens heilen) und ist in Verbindung mit dem hippokratischen Eid die Leitlinie seines Handelns.

Auf der Durchreise in Jena gelandet

Dass der Gynäkologe, der fünf Sprachen fließend spricht, in Deutschland sesshaft geworden ist, war purer Zufall, erinnert er sich. Seit 1991 war er in Turin als Frauenarzt tätig und 2001 verschlug es ihn für ein Jahr als Fach- und Assistenzarzt an die gynäkologische Abteilung der Universitätsklinik in Jena.

Patientinnen individuell behandeln

Den Wechsel an das Klinikum Forchheim-Fränkische Schweiz begründet er mit seinem Wunsch mehr auf seine Patientinnen eingehen zu können. In großen Kliniken würden Ärzte sehr viel Wert auf ihr berufliches Weiterkommen legen, so Vercellino. In seinen bisherigen Kliniken ging es oft darum, Karriere machen zu können. Dies ist nicht immer nur zum Vorteil der Patientinnen-Versorgung. Das Ziel seiner operativen Tätigkeit lautet: „Der beste Chirurg ist der, der am wenigsten operiert, weil er weiß, was er operieren muss“. Dieses Ziel kann der Privatdozent unter den Gegebenheiten in Forchheim ideal verwirklichen.

Neben seinem Spezialgebiet Gebärmutterhalskrebs ist er außerdem Experte auf dem Gebiet des Endometriumkarzinoms – einer Krebserkrankung der Gebärmutterschleimhaut – und beschäftigt sich mit Endometriose.

Sein Fachgebiet – Endometriose, ‚Chamäleon der Gynäkologie‘

Unter Endometriose, die auch ‚Chamäleon der Gynäkologie‘ genannt wird, weil die Symptome – Krämpfe, Übelkeit, Bauchschmerzen, Regelschmerzen und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr – so vielfältig sind, versteht man die Ansiedlung von gebärmutterschleimhautähnlichem Gewebe außerhalb der Gebärmutter. Dieses Gewebe verhält sich wie die Gebärmutterschleimhaut: Es blutet während der Menstruation und kann Zysten und Entzündungen verursachen. Für betroffene Frauen können die zyklischen Schmerzen so dominierend sein, dass sie eine Entfernung der Gebärmutter in Betracht ziehen. Es gibt keine Heilung. Erst der Übergang in die Wechseljahre verschafft Abhilfe.

Dr. Giuseppe Vercellino hat vor allem gelernt seinen Patientinnen gut zuzuhören. Er vergleicht: „Wenn man 50-jährige Frauen bittet, eine 100-Meter-Strecke zu laufen, werden da ganz unterschiedliche Zeiten rauskommen, weil jede ein Individuum ist.“ Das biologische Alter unterscheidet sich. „Ich stelle gezielte Fragen. Ist die Frau sexuell aktiv? Was sind die Rahmenbedingungen? Gab es in der Familie vergleichbare Erkrankungen?“

Superhappy in Forchheim

In Forchheim ist der Frauenarzt ‚superhappy‘. Mittlerweile ist er mit seiner Frau, die aus den Philippinen stammt, in die Königsstadt gezogen. Er habe keine Kinder, „aber tonnenweise Nichten!“  Als Hobby zählt er das gemeinsame Kochen mit seiner Frau auf und Fahrradfahren als sportlichen Ausgleich. Er liest und verreist gerne.

1. Woran kann man erkennen, dass ein Krankenhaus „patientensicher“ ist?
Leider gibt es derzeit keine verlässlichen Datengrundlage für Vergleichslisten zur Patienten-sicherheit in Krankenhäusern. Das liegt daran, dass Patientensicherheit nicht einrichtungsübergreifend mit den gleichen, verpflichtenden Indikatoren gemessen wird. Deshalb können Patient:innen sich nicht wirklich vorab informieren, sondern sind auf ihre Erfahrungen während eines Aufenthalts angewiesen. Wichtige Punkte, auf die man achten sollte, sind zum Beispiel

  • Das Personal wirkt nicht gehetzt, sondern hat Zeit, auf die Patient:innen einzugehen, zum Beispiel wenn diese Hilfe benötigen oder Fragen haben.
  • Patient:innen werden sorgfältig aufgenommen und es werden Vorkehrmaßnahmen für die sichere Patientenidentifikation (zum Beispiel Patientenidentifikationsarmband) getroffen.
  • Patient:innen werden zu ihrer regelmäßigen Medikamenteneinnahme befragt und sie bekommen Informationen darüber, welche Umstellungen während des Krankenhausaufenthalts vorgenommen werden.
  • Personal wäscht und desinfiziert regelmäßig die Hände, auch unmittelbar vor Patient:innenkontakt und weist auch auf Händewaschen und Händedesinfektion für Patient:innen und Besuch hin.
  • Es wird darauf geachtet, dass Patient:innen nicht stürzen.
  • Das medizinische und pflegerische Personal erklärt vor und nach Untersuchungen und Eingriffen klar und deutlich, wie Patient:innen mit ihrem Verhalten zu ihrer eigenen Sicherheit beitragen können.
  • Es gibt ein Screening auf mitgebrachte multiresistente Erreger und einen klar geregelten Prozess, um Übertragungen vorzubeugen.
  • Es gibt Möglichkeiten für Nachfragen, falls Behandlungsmaßnahmen unklar sind. Zum Beispiel ist die Visite so angelegt, dass Patient:innen Fragen stellen können.
  • Es gibt Rückmelde-Möglichkeiten, wenn man unzufrieden ist oder um Verbesserungsvorschläge anzubringen.
  • Patient:innen werden dazu ermutigt und unterstützt, sofort Bescheid zu geben, wenn man sie mit dem falschen Namen anspricht oder ihnen andere Probleme der Patientensicherheit auffallen.
  • Das Krankenhaus bereitet vor allem die Entlassung intensiv vor, damit die Patient:innen danach nicht vermeidbare Risiken erleben. Zum Beispiel gibt es ein Entlassgespräch, in dem erläutert wird, wie man sich zu Hause verhalten sollte, wann man wieder eine Behandlung oder Nachkontrolle aufsuchen sollte, wie sich die Medikation geändert hat und vieles mehr.

2. Das Krankenhauszukunftsgesetz forciert die Digitalisierung im Krankenhaus. Bei welchen von der Förderthemen sehen Sie einen besonderen Mehrwert für die Patientensicherheit? 
Generell ist es schwierig, zu sagen, dass bestimmte Vorhaben besonders wichtig für die Patientensicherheit sind und andere weniger. Nur ein Beispiel: Datensicherheit im Sinne des Schutzes vor unbefugten Zugriffen, Veränderungen und Datenverlust mag auf den ersten Blick nicht so zentral für die Patientensicherheit wirken, wenn man aber einmal erlebt hat, welche Risiken entstehen, wenn ein Krankenhaus Opfer eines Hackerangriffs ist und die IT ausfällt, dann ändert man diese Meinung. Es gibt da kein „mehr oder weniger wichtig“. Was wir betonen ist aber, dass man alle Prozesse – und davon gibt es im Krankenhaus wirklich viele – daraufhin überprüfen muss, ob eine IT-Unterstützung geeignet ist, die Prozesse sicherer zu machen. Ein gutes Beispiel ist da die Arzneimitteltherapiesicherheit, bei der es von Übertragungsfehlern über mangelhafte Interaktionskontrolle bis hin zum fehlerlosen Medikamentenstellen viel Verbesserungspotential gibt. Und umgekehrt müssen alle Prozesse, die digitalisiert werden, fortlaufend daraufhin überprüft werden, ob aus der Digitalisierung selbst beziehungsweise ihrer Umsetzung nicht wiederum Sicherheitsrisiken entstehen. Nicht umsonst hat das Aktionsbündnis Patientensicherheit diesem ganzen Themenkomplex eine umfassende Handlungsempfehlung gewidmet: https://www.aps-ev.de/wp-content/uploads/2018/05/2018_APS-HE_Digit_RM.pdf

3. Das Klinikum Forchheim-Fränkische Schweiz setzt Patientenarmbänder ein, um die Identität des Patienten zu kontrollieren und relevante Behandlungsdaten zu spei-chern. Wo sehen Sie weitere Schritte für ein Haus der Grund- und Regelversorgung die Patientensicherheit zu gewährleisten/zu erhöhen?
Das kann man so pauschal nicht sagen. Jedes Haus sollte ein aktives Berichts- und Lernsystem (critical incident reporting system, CIRS) haben. Schauen Sie sich vor Ort an, in welchen Zusammenhängen besonders viele Vorkommnisse oder solche mit besonders schweren potentiellen Folgen gemeldet werden. In diesen Bereichen lohnt es sich, zu recherchieren, ob digitale Unterstützungssysteme geeignet sind, die Patientensicherheit zu erhöhen. Mein Tipp wäre, dass Arzneimitteltherapiesicherheit dabei sicher auftauchen wird, aber vor allem sollte man auf den Bedarf vor Ort reagieren.

4. Können Sie mir Daten senden, aus denen hervorgeht, dass Patienten in den letzten 10 Jahren sicherer geworden sind? Welche Indikatoren wären das?
Wie oben erwähnt gibt es solche Indikatoren bisher nicht. Es wäre auch methodisch nicht sauber, nur die Zahl der (erfolgreichen) Behandlungsfehlerverfahren oder das Auftreten bestimmter Schwerwiegender Ereignisse zu zählen (was im Übrigen nicht verpflichtend bundesweit getan wird und noch weniger transparent ist). Das Aktionsbündnis Patientensicherheit setzt sich dafür ein, hier in Zukunft mehr Transparenz zu schaffen, nicht um Schuldige zu suchen, sondern um mehr Hinweise darauf zu bekommen, wie groß in welchen Bereichen der Handlungsbedarf ist und um zu erreichen, dass Patientensicherheit zum Entscheidungskriterium in den Einrichtungen und der Gesundheitspolitik wird.

Forchheim, 13. Dez. 2021 – Im Jahr 2020 wurden in Deutschland rund 6200 Behandlungen im
Krankenhausbereich beanstandet – und durch die Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen bei den Ärztekammern bewertet. Um solche Probleme zu vermeiden, richtet das Klinikum Forchheim-Fränkische Schweiz ein verstärktes Augenmerk auf die Patientensicherheit. Alle Maßnahmen, die möglich sind, um Schäden in Zusammenhang mit dem Krankenhausaufenthalt zu vermeiden, werden kontinuierlich überprüft und optimiert.

Operationssaal – ein Hochrisikobereich

Katja Severa, stellvertretende Qualitätsmanagementbeauftragte am Forchheimer Standort, zählt den Operationsbereich zum Hochrisikobereich: „Hier ist viel interprofessionelle Zusammenarbeit gefordert zwischen den Teams – zwischen den OP- und Anästhesie- Pflegekräften sowie den Ärzten – da kann es zu Missverständnissen kommen, deshalb müssen alle Beteiligten eine Sicherheitscheckliste abarbeiten bevor der Patient in den OP- Bereich gebracht wird.“ Zuerst wird die Identität der Patienten überprüft – dann, dass die Patienten auf dem richtigen OP-Tisch gelagert werden und ob die Seitenmarkierung stimmt. Die Sicherheitscheckliste wurde 2008 von der WHO entwickelt und umfasst 19 Punkte rund um eine Operation, die beachtet werden müssen. Kann es z.B. zu Komplikationen während der Narkose kommen, weil der Patient im Vorfeld Blutverdünnungsmittel genommen hat? Nach der Narkoseeinleitung kommt die „Team-Time out“-Phase vor dem ersten Schnitt in die Haut.
Der Operateur und das Team stellen den Patienten nochmal vor. Liegt der „richtige“ Patient auf dem OP-Tisch und ist der vorgesehene Eingriff der „richtige“? Erst wenn alle Fragen abgeprüft sind, beginnt die Operation.

Um die Identität jederzeit zweifelsfrei feststellen zu können, erhält jeder stationäre Patient des Klinikums ein Patientenarmband mit einem Barcode, der mit einem Scanner ausgelesen werden kann. Patientenidentifikation, Name, Geschlecht und Geburtsdatum sind hinterlegt und können mit der elektronisch geführten Patientenakte abgeglichen werden.

Gefahr bei der Medikamentengabe

Das Klinikum an der Wiesent verfügt außerdem über eine elektronische Arzneimitteldatenbank, die den originalen Medikationsplan zuerst in der Krankengeschichte automatisiert abgespeichert, bevor eine Änderung und Neuausstellung durchgeführt wird.
Der Medikationsplan lässt sich auch auf die Krankenkassenkarte schreiben: Für die Patienten ein enormer Vorteil, da bereits ausgestellte Medikationspläne für Behandlungen oder Weiterbehandlungen digital zur Verfügung stehen. Außerdem kann schneller eine Unverträglichkeit festgestellt werden. Die Datenbank ersetzt aber nicht das sogenannte Vier- Augen-Prinzip beim Zusammenstellen der Medikamente. Das bedeutet, dass sich zwei Pflegekräfte gegenseitig kontrollieren. Auch am nächsten Tag, wenn die zusammengestellten Tabletten ausgegeben werden, wird noch einmal die Richtigkeit anhand der elektronischen Patientenkurve überprüft.

Internes Fehlermeldesystem

Anfang 2022 wird auch das neue, internetbasierte CIRS-Portal einsatzfähig sein. Die Kommunikation läuft über das Intranet. CIRS steht auf englisch für „Critical Incident Reporting System“ – auf deutsch: „Fehlermeldesystem von kritischen Ereignissen“. „Das hilft uns aus den Fehlern, die im Haus passieren, zu lernen. Das Portal bietet Mitarbeitern an, Fehler und optimierungsfähige Abläufe oder missglückte Prozesse anonym und vertraulich zu schildern, damit bei einer Häufung Fehlerquellen behoben und Prozesse umstrukturiert werden können.“
Die Risikomanagerin unterstreicht: „Uns ist es wichtig, dass auch positive Ereignisse gemeldet werden. Wenn jemand auf einer Station ein Problem erkannt hat und es innerhalb der Abteilung gelöst wird, dann können andere von diesem Wissen profitieren und letzten Endes ist es ja auch tatsächlich so, dass die meisten Handlungen positiv sind und die Fehler gering.“

Zertifikatslehrgang ‚Fokus Mensch – Patientensicherheit aktiv gestalten‘

Um das Wissen weiter zu vertiefen ist Katja Severa eine der ersten, die berufsbegleitend den neuen fünfmonatigen Zertifikatslehrgang „Fokus Mensch – Patientensicherheit aktiv gestalten“ an der TU München absolviert. Nach erfolgreichem Abschluss Anfang 2022 ist sie die Patienten sicherheitsbeauftragte des Klinikums Forchheim-Fränkische Schweiz.

Forchheim, 07. Dez. 2021 – Was passiert, wenn in einer öffentlichen Einrichtung wie dem Klinikum Forchheim – Fränkische Schweiz der Strom plötzlich ausfällt? Die Notrufnummern beim Technischen Hilfswerk OV Forchheim und der Stadtwerke Forchheim klingeln
und es ist Eile geboten. Wenn in einer kritischen Infrastruktur der Strom ausfällt, dann zählen oft Sekunden. Am vergangenen Wochenende wurde genau dieses Szenario geübt, um bestmöglich auf solche Situationen vorbereitet zu sein.

Immer auf den Ernstfall vorbereitet sein
„Notfallübungen sind das A und O, um im Ernstfall feste Ablaufpläne zu haben, die bereits in Übungen getestet, besprochen und immer wieder auch nachjustiert werden, damit alles bei einem Notfall reibungslos läuft,“ fasst Mathias Seitz, Leiter der Abteilung Netze und Grundsatzplanung der Stadtwerke Forchheim, die Notfallübung im Klinikum zusammen.

„Das Klinikum Forchheim – Fränkische Schweiz verfügt selbstverständlich über ein Notfallaggregat, welches einen Stromausfall in Sekunden kompensieren kann, dennoch ist es wichtig, immer mehrere Notfalloptionen zu haben und genau dafür haben wir gemeinsam mit den Stadtwerken Forchheim und dem THW Forchheim die Fremdversorgung mit einem mobilen Notstromaggregat geprobt,“ erläutert Dipl.-Ing. Thomas Müller, Technischer Leiter des Klinikums in Forchheim. „Das Notstromaggregat des THW ist das Backup für unsere Notstromversorgung. Unser eigenes Notstromaggregat ist gut automatisiert und springt automatisch an, wenn der Strom ausfällt, aber beim externen Gerät müssen wir hier manuell Umschaltungen vornehmen und das muss geübt werden anhand einer Checkliste.“
Das klinikumseigene Notstromaggregat leistet 500 kVA und kann die lebenswichtigen Bereiche mit Strom versorgen, wie Computertomografen, Magnetresonanztomografen, Operationssaal, Intensivstation, Kreißsaal, Notaufnahme und Teile der Küche. Bei Ausfall des Notstromaggregats beliefern drei Stunden lang noch Batterien die wichtigsten Verbraucher des Hauses mit Strom. Dann müsste evakuiert werden oder das Notstromaggregat des THW muss angeschlossen sein. Auch bei Wartungsarbeiten könnte das THW-Gerät zum Einsatz kommen: solange das klinikumseigene Gerät nicht zur Verfügung steht, muss auf einen externen Generator zurückgegriffen werden.

Mit 400 kVA die Stromversorgung sicherstellen
Das Notstromaggregat im Besitz des Landratsamt Forchheim wird vom Technischen Hilfswerk OV Forchheim betreut und verfügt über ein mobiles Notstromaggregat mit 400 kVA, welches sich schnell und unkompliziert mit dem bestehenden Stromnetz synchronisieren lässt. Danach speist das Aggregat mit einer Leistung von 320 kWatt in das Stromnetz ein und kann im Inselbetrieb zur Versorgung von großen Gebäuden vollständig die Versorgung übernehmen oder das bestehende Netz unterstützen. „Für uns ist es immer wieder ein Gewinn Übungen gemeinsam mit den Stadtwerken Forchheim und in diesem Fall mit dem Klinikum Forchheim – Fränkische Schweiz durchzuführen, da wir ein großes Netzwerk an freiwilligen Helfern haben und somit vielen von ihnen die Möglichkeit geben können, Notfallszenarien zu üben, um im Ernstfall gerüstet zu sein und bereits Routine mitzubringen,“ ergänzt Martin Bühl, Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit des THW Forchheim.

Berlin, Forchheim, 7. Dez. 2021 – Bereits seit Oktober 2020 können Ärztinnen und Ärzte auch mittels Videosprechstunde die Arbeitsunfähigkeit von Versicherten feststellen. Allerdings gilt dies bislang nur für die Versicherten, die in der Arztpraxis bereits bekannt sind. Zukünftig können auch Patientinnen und Patienten per Videosprechstunde krankgeschrieben werden, die der Vertragsärztin oder dem Vertragsarzt unbekannt sind.

Einen entsprechenden Beschluss hat der Gemeinsamen Bundes-ausschuss (G-BA), das höchste Beschlussgremium der gemeinsamen Selbstverwaltung im deutschen Gesundheitswesen, gefasst. Unterschiede gibt es jedoch bei der Dauer der erstmaligen Krankschreibung: Für in der Arztpraxis unbekannte Versicherte ist diese bis zu drei Kalendertage möglich, für bekannte Versicherte bis zu sieben Kalendertage.

Auch das Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) im Klinikum in Forchheim bietet Videosprechstunden für Patienten, die persönlich vor Ort in der Praxis waren, und – neuerdings – für unbekannte Versicherte. Sowohl Dr. Ekkehardt Templer als auch Dr. Lothar Unterburger, beide D-Ärzte für Arbeits- und Schulunfälle und Fachärzte für Chirurgie und Unfallchirurgie, sind virtuell verfügbar.

Die Anmeldung zum Videogespräch kann sowohl online über die Homepage des Klinikums https://www.klinikumforchheim.de/medizinisches-versorgungszentrum/  oder herkömmlich per Telefon über die Anmeldung des MVZ unter der Nummer 09191 610710 erfolgen. Online werden Termine am Montag und Dienstag von 8 bis 15 Uhr angeboten. Bei einer telefonischen Vereinbarung ist die Terminvergabe flexibler und es können zusätzliche Termine frei vergeben werden. Die Patientin nennt dabei ihre E-Mail-Adresse und erhält daraufhin per E-Mail einen Zugangslink.

Über diesen Anmeldelink geht die Patientin dann ins Online Videosystem und trifft auf den Arzt ihrer Wahl. Bei unbekannten Patienten, die noch nicht bei Dr. Templer oder Dr. Unterburger in Behandlung waren, halten diese die Versichertenkarte in die Kamera. Der behandelnde Arzt fertigt einen Screenshot an, um die Krankenkassendaten ins Praxissystem einzugeben. In diesem Fall verzichten die Krankenkassen auf eine digitale Bestätigung des sonst üblichen Versichertenstatus.

„Für Patienten, die bereits im System hinterlegt sind, sind Rezeptausstellungen und Krankschreibungen bis zu sieben Tagen in der aktuellen epidemiologischen Lage durch den Gesetzgeber legal erlaubt“, erläutert Dr. Ekkehardt Templer.

Die Übermittlung der Krankschreibung erfolgt bisher noch per Post und kostet den Versicherten nichts, denn die Portokosten werden aufgrund der derzeitigen Coronasituation durch die Krankenkassen übernommen.

Die Kassenärztliche Vereinigung (KVB) und der Gesetzgeber arbeiten an einer Online-Lösung zur Übermittlung der digitalen Krankmeldung (eAU) und des Online Rezeptes. Die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung soll Anfang 2022 eingeführt werden.

Forchheim, 03. Dez. 2021 – Zunächst bis zum 15. Dezember unterstützen zehn Soldaten der Stabs-/Fernmeldekompanie in Mühlheim (Baden-Württemberg) das Klinikum in Forchheim.

Pflegerische Erfahrung oder eine medizinische Ausbildung bringen die jungen Männer nicht mit, aber einige waren bereits mehrmals über das ganze Jahr verteilt auf Amtshilfe im Einsatz, andere sammeln Ersterfahrung. Untergebracht sind sie auf Burg Feuerstein.

Die Soldaten werden eingesetzt bei der Versorgung der Patienten sowie für die Mithilfe bei den täglichen Abläufen auf den Pflegestationen, genauer gesagt auf den Stationen Allgemeinchirurgie, Unfallchirurgie, Innere Medizin, Isolierstation und auf der Interdisziplinären Intensivstation. Sie helfen bei der Essensversorgung.

Versorgung mit frischer Wäsche, Reinigungs- und Desinfektionsarbeiten und das Aufrüsten der Patientenbetten stehen auf der Aufgabenliste.

Pflegedienstdirektorin Elisabeth Battran sagt: „Wir freuen uns sehr, dass wir dieseUnterstützung haben. Sie sind sehr willkommen.“

Nürnberg, 9. Nov. 2021 – Gemeinsam mit Prof. Dr. Martin Emmert von der Universität Bayreuth hat Prof. Dr. Oliver Schöffski vom Lehrstuhl für Gesundheitsmanagement des Fachbereichs Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg die Methodik des Klinikchecks entworfen und wertet mit seinem Team jährlich die Informationen von rund 50 Krankenhäusern in und um Nürnberg aus. Das sind Daten, die deutsche Krankenhäuser verpflichtend dokumentieren müssen und die vom Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTIG) erhoben werden. Außerdem gehen anonyme AOK-Routine-Daten in die Bewertung mit ein sowie Fallzahlen und Patientenbewertungen der Weissen Liste. www.weisse-liste.de

Detailinformationen zum Projekt finden sich hier: https://www.gm.rw.fau.de/forschung/projekte/laufende-projekte/qualitaetsberichterstattung/

Wöchentlich berichten die Nürnberger Zeitung – und seit diesem Jahr – die Nürnberger Nachrichten, Nordbayerischen Nachrichten und www.nordbayern.de über das Ranking der 14 verschiedenen Leistungsbereiche vom Kniegelenkersatz bis zur Geburtshilfe.

Die Behandlungsqualität des Klinikums Forchheim-Fränkische Schweiz wurde in zehn Leistungsbereichen bewertet: Kniegelenkersatz, Gallenblasenentfernung, Herzkatheter, Brustkrebsbehandlung, künstliches Hüftgelenk, Leistenhernie, gynäkologische Operationen, Herzschrittmacher, Behandlung einer Lungenentzündung und Geburtshilfe.

Die Sprecherin des Klinikums, Franka Struve, sprach mit Prof. Dr. Oliver Schöffski:

Franka Struve: Nach welchen Kriterien werden die Leistungsbereiche oder die Indikationen ausgewählt?

Prof. Dr. Oliver Schöffski: Wir haben die Zielsetzung, Patienten in Kliniken zu steuern, in denen sie für ihre Indikation bestmöglich versorgt werden. Und deshalb ist ein wichtiges Auswahlkriterium, dass eine Maßnahme im Krankenhaus planbar sein muss. Es nützt nichts, wenn ich einen Notfall, wie z.B. einen Schlaganfall habe und es wichtig ist, dass ich schnell überhaupt eine Klinik erreiche und ich auch keinen Einfluss auf die Auswahl einer Klinik habe. Planbare Maßnahmen sind zum Beispiel eine Hüftendoprothese (künstliches Hüftgelenk), eine Geburt oder die Behandlung eines Mammakarzinoms (Brustkrebs). Hier hat der Patient mehrere Wochen, manchmal sogar Monate Zeit zu überlegen: Welches ist das Krankenhaus, in das ich gehen möchte? Das erste Auswahlkriterium ist also die Planbarkeit, das zweite Kriterium ist die Wählbarkeit. Wählbarkeit bedeutet, dass es in der Region eine Auswahl geben muss. Wenn eine Maßnahme oder eine bestimmte Operation nur in einer einzigen Klinik im Umkreis von 50 Kilometern durchgeführt werden, hat man keine Chance eine Auswahl zu treffen. Es muss eine Konkurrenz zwischen Krankenhäusern geben bezüglich der einzelnen Maßnahmen, die dort vorgenommen werden.

Hat sich die Auswahl der Indikationen im Lauf der Zeit geändert?

Es gibt einen leichten Wandel, der allerdings nicht so sehr von uns abhängt, sondern von den Vorgaben der gesetzlichen Qualitätssicherung von IQTIG – Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen. Das Institut fragt nicht in jedem Jahr die gleichen Indikationen ab und daran orientieren wir uns. Wo wir keine Daten vorliegen haben, können wir keine Auswertung vornehmen, nichtsdestotrotz gibt es ab und zu mal etwas Neues, wie das Hygienemanagement.

Welche Schlussfolgerungen kann der medizinische Laie ziehen, wenn dem Krankenhaus eine unauffällige Qualität und das Erreichen des Zielkorridors bescheinigt wird?

Die Krankenhäuser sind verpflichtet jährlich bestimmte Qualitätsinformationen an das IQTIG zu melden. Dort werden diese Informationen gesammelt, aggregiert und es wird ein Bereich festgelegt, in dem etwas unauffällig ist. Wenn bei einer bestimmten Operation es unauffällig ist, wenn zwischen 85 und 95 Prozent der Patienten keine Zweitoperation benötigen und das Krankenhaus hat Daten in diesem Bereich, dann ist es unauffällig. Wenn man allerdings plötzlich sieht, dass nur in 70 Prozent der Fälle eine weitere Operation nicht notwendig ist, dann ist man eben auffällig. Diese Auffälligkeit hat etwas mit nicht optimaler Qualität zu tun. Kurz gesagt: Je mehr und je häufiger bei den bestimmten Indikatoren ein Leistungserbringer unauffällig ist, desto besser.

Die Fallzahlen spielen auch eine Rolle für die Reihung innerhalb einer Gruppe. Das Klinikum Forchheim-Fränkische Schweiz kann in der Geburtshilfe nie auf Platz eins stehen, weil es zahlenmäßig auf 800 Geburten pro Jahr begrenzt ist. Hat sich im Laufe Ihrer Untersuchungen die Idee verstetigt, dass eine höhere Fallzahl mit einer besseren Qualität einhergeht? 

Das Klinikum Forchheim kann mit einer geringeren Fallzahl nur dann nicht auf Platz eins stehen, wenn es Kliniken mit mehr Fällen gibt, die bezüglich der Indikatoren genauso gut abschneiden. Bezüglich der Fallzahlen zeigt ein Blick in die Literatur: Je häufiger eine Operation durchgeführt wird, desto höher ist die Qualität. Diese Aussage kann am oberen Ende irgendwann kippen, wenn ‚Fließbandmedizin‘ praktiziert wird, aber im Großen und Ganzen ist dieser Zusammenhang für die meisten Indikationen nachgewiesen. Übrigens ermutigen wir bei unseren Schlussfolgerungen nicht dazu, nur das Krankenhaus auf Platz eins aufzusuchen, sondern wir sagen, dass alle Krankenhäuser im grünen Bereich gleichwertig gut sind und eine Qualität quasi nachgewiesen haben. Rein kapazitätsmäßig wird es gar nicht funktionieren, dass in einem Haus sämtliche Geburten stattfinden. Von daher ist diese Anzahl der sogenannten Prozeduren, also die Anzahl der Geburten, bei uns kein erstrangiges Kriterium, sondern nur ein weiteres, um innerhalb der einzelnen (farblich gekennzeichneten) Gruppen zu differenzieren. Ob man im grünen Bereich an erster, zweiter oder dritter Stelle ist, das hängt von den Fallzahlen ab.

Beim Klinikcheck handelt es sich nicht um einen Vergleich, sondern um eine Bewertung. Könnte es theoretisch sein, dass alle Krankenhäuser im grünen Bereich sind?

Genau, es ist eine absolute Bewertung, keine relative Bewertung. Das bedeutet, dass es nicht immer Kliniken im roten oder gelben Bereich geben muss. Alle betrachteten Kliniken können im grünen Bereich sein, wenn sie eine unauffällige Qualität nachweisen. Wenn alle Geburtshilfen im grünen Bereich sind, wird innerhalb des Bereichs nach Patientenzufriedenheit, Empfehlungsrate und der Anzahl der Prozeduren, die durchgeführt werden, differenziert.

Verwenden Sie die Qualitätsberichte, die beim G-BA (G-BA, Gemeinsamer Bundesausschuss, das höchste Beschlussgremium der gemeinsamen Selbstverwaltung im deutschen Gesundheitswesen), eingereicht werden, oder auch die von den Kliniken selbst veröffentliche Qualitätsberichte?

Wir verwenden ausschließlich die Daten aus Quellen, von denen wir annehmen, dass die Daten dort qualitätsgesichert sind, und das sind in erster Linie die G-BA Daten, die dem IQTIG gemeldet werden. Die zweite wichtige Quelle sind die AOK-Routinedaten, wenn sie für die entsprechende Indikation vorhanden sind.

Softwareprogramme, z. B. GeDoWin, helfen den Kliniken Indikatoren, die einen Qualitätssicherungsbogen auslösen, Revue passieren zu lassen, bevor diese Daten das Haus verlassen. Inwieweit können Krankenhäuser ihre Qualitätsberichte mittels Qualitätssicherungsmonitoring optimieren?

Ja, das können sie, aber das ist nicht unser Ziel! Wir verfolgen zwei Ziele:  Wir wollen erstens eine ‚Abstimmung mit Füßen‘ erreichen, das heißt, wir hoffen, dass Patienten sich Kliniken aussuchen, die in unserem Ranking tendenziell weit oben stehen. Die anderen Kliniken werden dann merken, dass plötzlich weniger Patienten kommen und werden sich überlegen, woran das liegt, und werden – so unsere Hoffnung – versuchen ihre Qualität zu verbessern. Infolgedessen werden Qualitätssicherungsmaßnahmen eingeführt, damit das Krankenhaus in den nächsten Jahren in den Rankings besser abschneidet. Das ist unser zweites Ziel: Qualitätsverbesserungen in den Kliniken.

Technische Optimierungen, die dafür sorgen, dass ein Haus im Ranking einen höheren Platz erreicht, sind nicht unser Ziel. Es gibt kleine Stellschrauben, an denen man drehen kann, um im Ranking besser abzuschneiden, ohne aber die Qualität wirklich zu verbessern.

Wenn man mit Beratungsunternehmen über Marketingmaßnahmen von Krankenhäusern spricht, ist viel die Rede von Einweiser-Marketing, also von der Bewerbung von niedergelassenen Ärzten, die einen Patienten in ein Krankenhaus überweisen. Hat der Klinikcheck auch diese Zielgruppe im Visier?

Im Rahmen unserer großen Befragungen haben wir zum Beispiel bei allen Orthopäden in Nürnberg nachgehakt, inwieweit sie das Ranking überhaupt zur Kenntnis nehmen. Erstens, wissen sie von dem Klinikcheck? Und zweitens, wenn ja, bauen sie es in ihre Entscheidungsfindung ein? Wenn sie es einbauen, verwenden sie dann eher die positiven Informationen, das heißt, sie empfehlen eine gut gerankte Klinik, oder die negativen, das heißt, sie raten vom Besuch einer schlecht gerankten Klinik ab? In den letzten Jahren haben wir nur in einer der beiden großen Nürnberger Zeitschriften, die einen Marktanteil von rund zehn Prozent hat, die Ergebnisse des Klinikchecks veröffentlicht. Da war der Bekanntheitsgrad bei den niedergelassenen Ärzten nicht allzu hoch. Wir gehen davon aus, dass der Klinikcheck in den nächsten Jahren deutlich bekannter sein wird, da wir jetzt ein zehn Mal so großes Verbreitungsgebiet durch die Einbeziehung der zweiten großen Nürnberger Zeitung haben. Einige Ärzte beziehen die Ergebnisse des Klinikchecks in die Empfehlung für die Patienten teilweise mit ein, allerdings noch nicht in dem Ausmaß, wie es sein könnte.

Wie hat sich das Klinikum Forchheim-Fränkische Schweiz entwickelt?

Es hat sich sehr gut entwickelt. In diesem Jahr haben wir zum sechsten Mal das Ranking durchgeführt und man sieht eine sehr deutliche Tendenz von der allerersten Erhebung, die 2016 durchgeführt wurde, bis zum heutigen Zeitpunkt, dass die Platzierung des Klinikums Forchheim innerhalb dieser sechs Jahre deutlich besser geworden ist. Dominierten in der Anfangszeit eher die schlechteren Platzierungen, ist man jetzt fast durchgängig in den Spitzengruppen vertreten. Generell kann man sagen: das Klinikum Forchheim-Fränkische Schweiz ist besser geworden, woran auch immer das liegt, vielleicht ein wenig an den Anreizen, die unser Klinik-Check setzt.

Aufgrund der Coronapandemie werden die Fallzahlen vermutlich einbrechen oder zurückgehen. Wie wirkt sich das auf die Bewertung aus?

Unsere Zahlen hinken immer eineinhalb bis zwei Jahre dem aktuellen Geschehen hinterher. Bereits die Kliniken liefern Vergangenheitsdaten. Ehe diese dann gesichtet werden und Rücksprache genommen wird, ehe die Daten bei uns landen und ausgewertet werden, vergehen in der Regel eineinhalb bis zwei Jahre. Wenn die Coronapandemie sich auf die Fallzahlen niederschlägt und diese zurückgehen, ist das für unser Ranking kein Problem, weil wir die Fallzahlen in ‚oberes Drittel‘, ‚mittleres Drittel‘ und ‚unteres Drittel‘ unterteilen. Wenn sich Corona bei allen Häusern gleichmäßig auswirkt, hätte man keine Unterschiede. Es kommt nur zu Verschiebungen, wenn die Maximalversorger vielleicht gar keine Hüftendoprothesen mehr machen, weil hier sämtliche Betten für Corona gebraucht werden, und das Klinikum Forchheim-Fränkische Schweiz hat keine oder wenig Corona-Patienten und führt nur noch Hüftendoprothesen-Operationen durch. Wie gesagt, die Fallzahlen sind nachrangig. Die wichtigsten Daten sind die Qualitätsindikatoren, die vom IQTIG ausgewertet werden.

Methode – am Beispiel der Auswertung ‚Einsetzen eines Hüftgelenkersatzes‘

Beim Einsetzen eines Hüftgelenkersatz existieren zwei Hauptdatenquellen für unser Ranking: Die Daten der gesetzlichen Qualitätssicherung (IQTIG) und Daten aus den AOK Routinedaten. Zwei Datenquellen ermöglichen eine bessere Differenzierung als eine. Wenn die Hüftendoprothese in einem Klinikum sowohl beim IQTIG als auch bei der AOK in der Spitzengruppe gelistet wird, also im oberen Drittel, dann wird diese Leistung im Klinikcheck dem grünen Bereich zugeordnet:  Spitze plus Spitze ist insgesamt Spitze. Wenn die Daten aus einem der beiden Quellen auffällig sind, also Spitze plus zweiter Platz oder zweiter Platz plus Spitze, rangiert dieser Leistungsbereich bei unserem Ranking in der zweiten Gruppe im hellen Grün. Mittels eines Algorithmus wird ein Leistungsbereich je nach Kombination einer der fünf Gruppen zugewiesen. Bei der Hüftendoprothese können fünf Cluster unterschieden werden mit den Farben Dunkelgrün, Hellgrün, Gelb, Orange und Rot. Wenn nur Daten vom IQTIG vorhanden sind, ist die Einteilung gröber in ‚oberes Drittel‘, ‚mittleres Drittel‘ und ‚unteres Drittel‘.

Im nächsten Schritt erfolgt die Sortierung innerhalb einer Gruppe. Dazu werden die Fallzahlen herangezogen und nach Größe absteigend geordnet. Platz 1 und 2 innerhalb einer Gruppe sind noch fast gleichwertig, ebenso die mittleren Plätze 3 und 4 und die unteren Plätze, im Beispiel Platz 5 und 6. Im letzten Schritt legt die Patientenweiterempfehlungsrate den endgültigen Platz fest. Die Patientenempfehlungen müssen dabei abteilungsbezogen sein, sich nicht auf das gesamte Krankenhaus beziehen.

Welche vom IQTIG generierten Daten werden für den Klinikcheck herangezogen?

Die Krankenhäuser sind verpflichtet, je nach Indikation bestimmte Kennzahlen zu liefern.  Beim Einsetzen eines Hüftgelenkersatz ist das zum Beispiel die Wieder-Operationsrate, die Sturzprophylaxe oder die Komplikationsrate. Für das Ranking haben wir im vergangenen Jahr sechs Indikatoren aufgenommen. Es wird überprüft, ob die Werte der Qualitätsindikatoren im unauffälligen Bereich liegen. Wenn man bei allen Indikatoren unauffällig ist, spricht das für eine hohe Behandlungsqualität und es erfolgt eine Eingruppierung in die Spitzengruppe.

Wer legt die Indikatoren fest?

Die Indikatoren, die die Kliniken an das IQTIG liefern, sind gesetzlich vorgegeben und von zuständigen Fachgesellschaften als relevant befunden worden. Allerdings wird diese Relevanz bei einigen Indikatoren kritisch diskutiert. Dieses Problem können wir als Gesundheitsökonomen nicht lösen, sondern müssen es an die Ärzteschaft zurückspielen. Hier muss ein Konsens gefunden werden, welche Indikatoren relevant sind und erhoben werden sollten.

Forchheim, 25. Nov. 2021 – Einen ganzen Karton voll mit selbstgenähter Sternenkinderbekleidung übergab die Vorsitzende des Vereins ‚Gemeinsam für Sternenkinder und Frühchen in Franken‘, Kerstin Strampfer-Ilkiz, an Alexandra Kreller und den Leitenden Oberarzt Dr. Guiseppe Vercellino vom Klinikum Forchheim-Fränkische Schweiz. Der Karton enthält kleine Decken, Kerzen, winzige Mützchen und Abschiedsschiffchen.

Der eingetragene Verein ‚Gemeinsam für Sternenkinder und Frühchen in Franken‘ wurde 2019 gegründet. Hervorgegangen aus einer Initiative von betroffenen Eltern, die sich alle ehrenamtlich engagieren, ermöglicht die Eintragung als Verein die Annahme von Spenden, in erster Linie Sachspenden, aber auch Geldspenden. Um die zehn Frauen engagieren sich derzeit aktiv mit ihren Handarbeiten und versorgen somit einige Krankenhäuser in der Umgebung mit ihren Spenden für Sternenkinder.

Sternen- oder auch Schmetterlingskinder werden Kinder genannt, die vor, während oder kurz nach der Geburt versterben. Alexandra Kreller, die sich für das Klinikum Forchheim-Fränkische Schweiz um die Betreuung der Eltern und die Beisetzung der Sternenkinder kümmert, beschreibt die Situation: „Die Eltern erfahren oftmals vom niedergelassenen Frauenarzt die Diagnose, dass das Kind im Mutterleib verstorben ist und kommen dann direkt ins Klinikum und sind völlig unvorbereitet auf diese Situation. Das ist ein sehr emotionaler Moment.“

Um den Abschied zu erleichtern und das Unvermeidliche für sich selbst anzunehmen, helfen kleine, schöne Hilfsmittel, so Alexandra Kreller. Das Kind kann in ein Schiffchen gebettet werden und dadurch würdig Abschied genommen werden. Daher seien die Gaben des Vereins sehr willkommen.

Jedes Jahr Ende November werden Sternenkinder, die im Klinikum Forchheim zur Welt kommen, gemeinsam am neuen Friedhof in Forchheim beigesetzt.