Monthly Archives: Juli 2019

Forchheim – Durch den unkritischen Einsatz von Antibiotika in Praxen und Kliniken sowie in der Tiermast entwickeln sich Resistenzen bei Bakterien und anderen Mikroorganismen gegen diese Medikamente. Vor rund einem Jahr hat sich das Antibiotic Stewardship (ABS)-Team gebildet, bestehend aus den zertifizierten ABS-Expertinnen Dr. Andrea Neumann und dr. med. (Univ. Pécs) Ágnes Ujváriné Porkoláb, die die Resistenzlage und den Antiinfektiva-Verbrauch des Klinikums Forchheim-Fränkische Schweiz überwachen.

Das Klinikum Forchheim Fränkische Schweiz nimmt seit Gründung des ABS-Teams einen Spitzenplatz ein bei der Vergabe von Schmalspektrum-Penicillinen (SSP) im Vergleich zu anderen Krankenhäusern mit weniger als 400 Betten. Es gehört damit zu den zehn Prozent der Krankenhäuser mit dem höchsten Einsatz an SSP. Die Verabreichung von Arzneistoffen mit einem breiten antimikrobiellen Wirkspektrum, zum Beispiel den sogenannten Carbapenemen, konnte dagegen erheblich reduziert werden. Dies ergab eine Auswertung von Daten aus der kontinuierlichen Antiinfektiva-Überwachung des Bundesverbandes Deutscher Krankenhausapotheker in Kooperation mit der Abteilung Infektiologie des Universitätsklinikum Freiburg und der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie (ADKA-if-DGI-Projekt, www.antiinfektiva-surveillance.de).“Früher wurden Antibiotika viel zu lange und viel zu breit eingesetzt“, erklärt die ABS-Expertin Dr. Andrea Neumann dazu.

Der Antibiotika-Verbrauch sagt aber noch nichts über die richtige Verwendung aus. Das Antibiotic Stewardship-Team hat sich daher zum Ziel gesetzt, die Verordnungsqualität von Antiinfektiva am Klinikum weiter zu verbessern, die Patientenversorgung zu optimieren und die Entwicklung von weiteren Resistenzen zu verhindern. Die Überlebenschancen von Patienten mit Infektionen steigen grundsätzlich, wenn ein ABS-Experte in die Behandlung eingebunden ist. Daher treffen sich die beiden Ärztinnen regelmäßig mit den Stationsärzten, besprechen die Antibiotika-Medikation, entscheiden, ob diese beibehalten werden soll und empfehlen Änderungen, wenn notwendig.

Neben der zunehmenden Resistenzentwicklung von Bakterien und anderer Mikroorganismen zählen die stark eingeschränkte Entwicklung neuer Antiinfektiva mit innovativem Wirkmechanismus und der Mangel an klinischen Infektiologen zu den Herausforderungen der modernen Medizin.

Das Klinikum Forchheim hat neuerdings die Möglichkeit, Antibiotika-Spiegel bestimmen zu lassen um eine optimale individuelle Dosierung zu ermöglichen. Dafür werden die Blutproben im hauseigenen Labor vorbereitet und anschließend nach Heroldsberg in das Labor des Instituts für Biomedizinische und Pharmazeutische Forschung von Prof. Dr. Fritz Sörgel verschickt.

Forchheim – Zum dritten Mal in Folge zählt die Geburtshilfe des Klinikums Forchheim-Fränkische Schweiz zu den Besten im Klinikcheck. Im Vergleich mit 15 Kliniken, die diese Leistung anbieten, rangiert das Krankenhaus in der ersten Gruppe der „Top-Performer“. Chefarzt der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Dr. Stefan Weingärtler, ist stolz auf den Erfolg: „Wir bieten eine familiäre, natürliche und beckenbodenorientierte Geburtshilfe an. Dies erreichen wir durch regelmäßige Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen sowie einem top besetzten, teamfähigen Hebammen-, Schwestern- und Ärzte-Team.“

Für die Eingruppierung in eine der drei Qualitätsgruppen „Top-, Middle- und Low-Performer“ wurden die Daten der externen stationären Qualitätssicherung herangezogen und gewichtet. Aus dem Qualitätsbericht 2017 des Forchheimer Klinikums ist beispielsweise ersichtlich, dass 193 Kinder mit Kaiserschnitt zur Welt kamen, im Vergleich zu anderen Krankenhäusern eine sehr niedrige Kaiserschnittrate von 28 Prozent! (Aktueller Stand: 23 Prozent)

Die Anzahl der Geburten am Klinikum Forchheim – im Referenzjahr 2017 waren das 670 – legt die Platzierung innerhalb einer der Gruppen fest. Das Klinikum nimmt Frauen ab der 36. Schwangerschaftswoche auf. Beim Wettbewerb um den ersten Platz sind größere Kliniken klar im Vorteil, weil sie höhere Fallzahlen aufweisen. Ein weiterer Aspekt sind die Weiterempfehlungen sowohl für die Fachabteilung wie für das gesamte Krankenhaus in der „Weissen Liste“, ein Projekt der Bertelsmann Stiftung und den Dachverbänden der Patienten- und Verbraucherorganisationen. Hier konnte die Frauenheilkunde und Geburtshilfe punkten: Von den aktuell 80 Bewertungen empfahlen 92 Prozent diese Fachabteilung. Über 90 Prozent derjenigen, die einen Erfahrungsbericht eingereicht haben, waren zufrieden mit der ärztlichen Versorgung und pflegerischen Betreuung. Insgesamt haben 82 Prozent der knapp 550 Bewertungen das Klinikum Forchheim weiterempfohlen.

Die Studie untersucht vierzehn Leistungsbereiche

Nach wissenschaftlichen Kriterien haben die Forscher PD Dr. Martin Emmert und Prof. Oliver Schöffski von der Universität Nürnberg-Erlangen am Lehrstuhl für Gesundheitsmanagement in Zusammenarbeit mit der Nürnberger Zeitung insgesamt 43 Kliniken im Umkreis von 50 Kilometern um Nürnberg anhand von öffentlich zugänglichen Qualitätsberichten, Abrechnungsdaten der AOK, Fallzahlen und Daten zur Patientenzufriedenheit der Weissen Liste bewertet.

Dabei werden 14 Leistungsbereiche mit insgesamt 295 veröffentlichungspflichtigen Indikatoren bewertet, von Hüft-und Knieoperationen, Geburtshilfe, Brustkrebs-Operationen, Eingriffe an der Halsschlagader, am Herzen und an der Gallenblase bis zur Behandlung von Prostatabeschwerden. Der Klinikcheck wurde 2016 eingeführt und veröffentlicht jährlich ab Anfang Juni die Ergebnisse. Nicht alle Leistungen bietet das Klinikum Forchheim-Fränkische Schweiz an.

Forchheim – Pflegeberufe sind körperlich anstrengend. Damit die Fürsorge für andere nicht zur eigenen Erkrankung führt, lernen die Schüler der Berufsfachschule für Krankenpflege am Klinikum Forchheim-Fränkische Schweiz in einem halbtägigen Kurs der AOK-Direktion Bamberg-Forchheim rückenschonendes Verhalten und Entspannungsübungen untermauert mit theoretischem Wissen.

Mit Energie und guter Laune zeigt Diplom-Sportlehrerin Dorothea Hilgert, wie sich kleinere Übungen auch währen der Arbeitszeit durchführen lassen und den Rücken entlasten. „Nach gezielten Dehn- Streck- und Kräftigungsübungen werden Spannungsschmerzen in der Muskulatur weniger und man fühlt sich besser“, stellt eine Teilnehmerin fest.

Konzipiert für Schüler der Berufsfachschule

Das besondere Augenmerk bei diesem Workshop liegt auf der richtigen Balance des Muskel- und Knochenapparats. Durch den Umgang mit bettlägerigen Patienten und das dafür erforderliche Heben, Schieben und Ziehen wird der Körper einseitig belastet und der Rücken beansprucht. Daher geht Dorothea Hilgert auch auf das richtige Bücken, Heben und Tragen mit Drehbewegungen ein. Der Workshop wird den Auszubildenden zum ersten Mal angeboten und wurde extra für sie konzipiert. Die Referentin für betriebliches Gesundheitsmanagement lobt Betriebe, die ihre Verantwortung ernst nehmen und die Mitarbeitergesundheit fördern: „Wir begrüßen es sehr, dass wir den Pflegeschülern schon zum Zeitpunkt der Ausbildung Gesundheitswissen vermitteln, damit sie den Beruf ohne Beschwerden lange ausüben können und Freude daran haben.“ Bereits im Frühjahr organisierte die AOK-Gesundheitskasse einen Aktionstag für die gesamte Belegschaft des Klinikums. Bei allen Angeboten im Bereich der Betrieblichen Gesundheitsförderung stehen wahlweise Themen aus den drei Säulen zur Gesunderhaltung im Focus: Ernährung, Bewegung und Umgang mit Stress.

Yoga und progressive Muskelentspannung

Gänzlich stressfrei fühlt man sich nach den Entspannungsübungen von Physiotherapeutin Ilka Kürsten. Auf Yogamatten liegend erklärt sie den Schülern die richtige Atmung und lenkt das Bewusstsein weg von der abstrakten Gedankenwelt, hin zum eigenen Körpergefühl. Sie verwendet neben Atemübungen Elemente der progressiven Muskelentspannung nach Jacobson, die dazu anleiten Verspannungen wahrzunehmen und aufzulösen.

Ins Ziel auf dem Wackelbrett

Zum spielerischen Koordinations- und Reaktionstraining lädt AOK-Firmenkundenbetreuer Wolfgang Mallmann mit einem Computerspiel. Mithilfe von Balanceübungen auf einem kreisförmigen Brett, das mit Sensoren verkabelt ist, werden unter Inanspruchnahme aller stabilisierender Muskeln verschiedenen Spiele bewältigt. „Der Spaßfaktor ist riesig“, sagt eine Teilnehmerin.

Schulleiterin Simone Rehberg hebt hervor: „Ich finde es gut, dass präventive Angebote von der AOK für unsere Schüler angeboten werden. Die Gesundheits- und Krankenpflegeschüler lernen dadurch, die eigene Gesundheit zu erhalten und auf die Körperhaltung zu achten.“

Forchheim  – Einigen Hebammen, die sich spät angemeldet hatten, musste abgesagt werden, denn die hundert Plätze im Konferenzraum waren voll belegt als das Klinikum Forchheim-Fränkische Schweiz in Kooperation mit dem Landratsamt zum Hebammenkongress einlud.

Landrat Dr. Herman Ulm zeigte sich angesichts der hohen Teilnehmerzahl begeistert und lud diese in seiner Begrüßung ein, gleich im Landkreis Forchheim zu bleiben, denn hier besteht ein Hebammenengpass in der ambulanten Betreuung: Bei weit über 1.000 Geburten stehen nur 16 niedergelassene Hebammen zur Verfügung.

Steilvorlage Rückkehrprogramm für Hebammen

Die Schirmherrin der Veranstaltung, Bundestagsabgeordnete und Mitglied im Gesundheitsausschuss Emmi Zeulner aus Lichtenfels, lieferte mit ihrer Position zur im Bundeskabinett beschlossenen Hebammenausbildung mit Pflichtstudium eine Steilvorlage:  Sie fordert die Möglichkeit einer Nachtitulierung für alle Hebammen, die vor der endgültigen  Umstellung ihre Ausbildung abgeschlossen haben. Außerdem spricht sie sich für ein gesetzlich geregeltes, finanziell attraktives Rückkehrprogramm für Hebammen aus, die längere Zeit im Beruf pausiert haben. Schließlich regt sie an, dass das Hebammenstudium in Nordbayern angeboten werden solle, damit es auch zukünftig „Hebammen made in Oberfranken“ gäbe.

Hebammenvermittlungsportal

Nach der Entbindung verlässt jede fünfte Mutter die Geburtsstation am Klinikstandort Forchheim ohne eine Wochenbettversorgung. Daher warb Bärbel Matiaske, die Geschäftsstellenleiterin der Gesundheitsregion plus im Gesundheitsamt, für das Vermittlungsportal für Hebammenhilfe, das seit Juni online ist unter www.hebammeforchheim.de.

Natürliche Geburtshilfe und Beckenbodenschutz

Im Anschluss referierten Dr. Stefan Weingärtler, Chefarzt der Frauenklinik am Klinikum, und Petra Loher-Fischer, leitende Hebamme, über neue Aspekte der beckenbodenorientierten Geburtshilfe. Die große Belastung für den Beckenboden durch die Schwangerschaft legt bei vielen Frauen den Grundstein für spätere Beschwerden, die vielleicht erst zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr auftreten. Ein Kaiserschnitt kann dieses Problem nicht lösen, so dass die Geburtshilfe des Klinikums eine möglichst natürliche Geburtshilfe vorzieht.

Frauen besser behandeln

„S 3-Leitlinie zur Geburt am Termin“ klingt nach einem staubtrockenen Thema, aber Prof. Dr. Frank Louwen, Leiter der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Klinikum der Goethe Universität in Frankfurt, hat Großes vor: Er möchte Frauen besser behandeln. Diese würden oft unterdiagnostiziert. So gehe ein Herzinfarkt bei Männern häufig mit heftigen Schmerzen in der Brust einher, die in den Arm ausstrahlten. Viele Frauen klagten aber über Bauchschmerzen und dadurch werde der Infarkt zu spät erkannt, erläuterte Prof. Louwen. Abhilfe sollen medizinische Leitlinien schaffen. Das sind Feststellungen, die Ärzte, Patienten und Angehörige anderer Gesundheitsberufe über Behandlungsmethoden mit dem besten Therapieerfolg informieren. Die höchste Qualität weisen die sogenannten evidenz- und konsensbasierten S 3 Leitlinien auf. Diese haben alle Elemente einer systematischen Entwicklung durchlaufen, inklusive regelmäßiger Überprüfung. Leider ist eine S 3 Leitlinie teuer, zwischen 200.000 und 250.000 Euro, daher gibt es diese lediglich für häufige Krankheitsbilder, zum Beispiel Darmkrebs. Für Krankheitsbilder bei Frauen existieren nur wenige dieser Leitlinien. Die von Prof. Louwen initiierte Deutsche Stiftung Frauengesundheit hat sich zum Ziel gesetzt, jährlich eine neue Leitlinie zu erstellen. Die Wirkung der Leitlinien sei groß, so Prof. Louwen. Der Fachzeitschrift „Frauenarzt“ mit einer Auflage von mehr als 20.000 Exemplaren, in der die Leitlinien veröffentlicht werden, könne sich kein Gynäkologe entziehen, erklärt der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Pränatal- und Geburtsmedizin. Er warb um Unterstützung für die Stiftung.

Zusammenarbeit in der Freiberuflichkeit

Die Leiterin der Fort- und Weiterbildungsakademie DiaLog von Diakonio – bis Mitte des Jahres Diakonie Neuendettelsau – Sigrid Schlecht-Reichert zeigte Aspekte der Zusammenarbeit unter Hebammen in der Freiberuflichkeit auf und erläuterte worauf man bei einer Kooperation achten sollte.

Stillbegleitung des saugschwachen Kindes

Schließlich sprach Lehrhebamme Manuela Burkhardt über die Stillbegleitung des saugschwachen Kindes. Sie gab zahlreiche praktische Tipps, wie beispielsweise die Mutter ihrem Kind mit einer angeborenen Lippen-Kiefer-Gaumenspalte helfen kann, Muttermilch zu trinken.

 

Anne Schwick von der Hebammenpraxis Berg und Tal in Heroldsberg, die mit drei Kolleginnen zum Kongress kam, war vom Vortrag von Prof. Louwen begeistert: „Toll, wie er ein so trockenes Thema charismatisch und unterhaltsam aufbereitet hat“, schwärmte sie.

Eine andere Teilnehmerin fand die Ratschläge für das saugschwache Kind sehr gut und nimmt die Anregungen für die Betreuung im Wochenbett mit. Die Resonanz der befragten Teilnehmer war insgesamt sehr positiv.

Forchheim – Sieben Ehrenamtliche, die den Kurs der katholischen und evangelischen Klinikseelsorge am Klinikum Forchheim-Fränkische Schweiz erfolgreich beendet haben, werden nun regelmäßig auf Stationen des Krankenhauses anzutreffen sein.

Sie besuchen für zwei bis drei Stunden pro Woche Patienten und helfen dabei mit einer Krankheit umzugehen, spenden Trost. Eine Absolventin, Sandra Roth, sieht in dem Besuchsdienst einen besonderen Dienst an der Gesellschaft: „Es ist wichtig, dass man Leuten Zeit schenkt und ein offenes Ohr hat. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich Kranke gerne mit Außenstehenden unterhalten, weil wir objektiver sind als Familienangehörige. Wir reden nicht nur über die Erkrankung. Die Patienten, die ich kennengelernt habe, sind dankbar, dass man Zeit hat, dass man da ist.“ Besonders wichtig sei es, unterstreicht Sandra Roth, dass „die Geschichte im Krankenzimmer bleibt“. Man dürfe den Kummer der Patienten nicht mit nach Hause nehmen, gibt sie zu bedenken.

Pastoralreferent Dietmar Denzler erläutert: „Die Krankenhausseelsorge und ihr neuer Besuchsdienst bringen Werte ein, die im Krankenhausalltag leicht zur kurz kommen: Zeit zum Zuhören – dazu individuelle Ausdrucksformen für Hoffnungen und Ängste, für Erinnerungen und Pläne, ja sogar einen Raum für den Glauben und das Gebet. Das alles gehört zum ganzen Menschen dazu, besonders im Krankheitsfall.“ Alle Gesprächsangebote sind freiwillig, nicht konfessions- oder religionsgebunden und unterliegen der Schweigepflicht.

Mit Pfarrer Oliver Mathias Leslie und Pastoralreferent Dietmar Denzler von der katholischen Kirche und Pfarrer Ulrich Bahr von der evangelischen Kirche sind drei Hauptamtliche in der Krankenhausseelsorge tätig; dazu die Seelsorger aus der Region, die über den Mitarbeiter am Empfang des Klinikums angefordert werden können.

Pfarrer Ulrich Bahr betont: „Wir sind sehr dankbar für den Kurs, der von Anfang an auf großes Interesse gestoßen ist. Der Forchheimer Besuchsdienst wird sich künftig auch mit dem Besuchsdienst der Klinik in Ebermannstadt gemeinsam treffen für Austausch und Fortbildung.“

Kontakt ökumenischer Besuchsdienst: Pfarrer Ulrich Bahr, ulrich.bahr@elkb.de, Tel. 09131 43467

Forchheim – Seit Januar 2019 ist das Fresenius Multifiltrate Pro Dialyse-Gerät auf der Intensivstation des Klinikums Forchheim-Fränkische Schweiz im Einsatz. Dadurch können Patienten, die im Rahmen der Intensivtherapie früher bei akutem Nierenversagen in andere Krankenhäuser verlegt werden mussten, jetzt im Klinikum in Forchheim dialysiert werden. Bei diesem Verfahren wird das Blut durch Stoffaustausch an einer semipermeablen Membran gereinigt. Dr. Judith Neglein, Oberärztin der Intensivstation am Klinikum, ist erleichtert: „Die Verlegung von Patienten, die in einem kritischen Zustand sind, ist nicht einfach. Für den Patienten ist es sehr vorteilhaft, wenn das Nierenversagen, das im Rahmen einer schweren Erkrankung auftreten kann, sofort behandelt werden kann.“

70 Prozent dieser Form des Nierenversagens sind reversibel. Es kann nach großen und komplizierten Operationen, vor allem bei vorbestehendem Nierenschaden, auftreten. Ebenso ist bei anderen schweren Erkrankungen wie z.B. Bauchspeicheldrüsenentzündung, Lungenentzündung oder Blutvergiftungen anderer Ursache ein Versagen der Nieren möglich. Infolge eines akuten Nierenversagens kann in kurzer Zeit  eine lebensbedrohliche Situation eintreten, da der Körper den Elektrolythaushalt nicht mehr ausbalancieren kann und viele Stoffwechselprodukte nicht mehr ausgeschieden werden können. Eine rasche Dialyse kann die Nierenfunktion ersetzen. Mit dem modernen Verfahren der Citratdialyse können auch frisch operierte Patienten dialysiert werden, ohne dass ein hohes Risiko einer Nachblutung besteht.

Das neue Dialyse-Gerät wird nicht in der ambulanten Dialysetherapie angewandt, sondern ist ausschließlich der Intensivtherapie vorbehalten. Bisher konnten laut Oberärztin Judith Neglein. etliche Patienten mit dem neuen Gerät erfolgreich behandelt werden.

Forchheim  – Über den Beschluss des Kabinetts der Bayerischen Staatsregierung vom 9. Juli 2019, dass das Bauvorhaben „Ergänzungsmaßnahmen“ mit Fördermitteln in Höhe von 20,4 Mio. Euro des Klinikums Forchheim-Fränkische Schweiz  in das Krankenhausbauprogramm 2020 aufgenommen wurde, freut sich der Geschäftsführer des Klinikums, Sven Oelkers.

„Die Aufnahme in das Bauprogramm ist eine Bestätigung unseres Vorhabens die Akut- und Intensivfälle in Forchheim zu bündeln und die Leistungen der beiden fusionierten Häuser Klinikum Forchheim und Klinik Fränkische Schweiz fokussiert und spezialisiert anbieten zu können“, sagt er. „Die Klinikfusion war ein notwendiger Schritt. Wir sind auf dem richtigen Weg.“

Die Umsetzung des medizinischen Konzeptes im Rahmen des Zusammenschlusses beider Kliniken kann nur mit einer baulichen Erweiterung einhergehen. Konkret werden in Forchheim die Notaufnahme und Intensivstation erweitert. Beide Bereiche haben die räumlichen Kapazitätsgrenzen längst erreicht. Damit die interventionelle Kardiologie von Ebermannstadt nach Forchheim ziehen kann, werden zwei neue Kathederlabore in Forchheim gebaut. Auch in den Funktionsbereichen und Personalumkleiden wird es Erweiterungen geben.

Nach Erhalt des Förderbescheids umfassen die nächsten Schritte die Ausschreibungen der einzelnen Maßnahmen. Der Baubeginn soll 2020 erfolgen. Landrat des Landkreises Forchheim Dr. Herman Ulm und Oberbürgermeister Stadt Forchheim Dr. Uwe Kirschstein freuen sich, dass es die geplanten Maßnahmen am Standort Forchheim zügig umgesetzt werden können mit dem Ziel einer klaren Profilbildung des Klinikums Forchheim-Fränkische Schweiz und einer Erweiterung des Spektrums der medizinischen Versorgung in Stadt und Landkreis Forchheim. 

Hintergrund

Zum 1.1.2019 fusionierten das Klinikum Forchheim (225 Betten) und die Klinik Fränkische Schweiz (85 Betten +120 Betten Geriatrische Rehabilitation und Pflegezentrum) zum Klinikum Forchheim-Fränkische Schweiz mit zwei Gesellschaftern, Landkreis Forchheim und städtische Stiftung. Mit mehr als 1.000 Mitarbeitern ist das Klinikum der zweitgrößte Arbeitgeber im Landkreis.

Forchheim – Bereits 1966 besangen die Rolling Stones in ihrem Song „Mother’s little helper“, wie die gestresste Mutter Zuflucht nimmt zur beruhigenden Wirkung der „kleinen gelben Pille“ mit dem Wirkstoff Diazepan, besser bekannt unter dem Markennamen Valium®. Mit dieser musikalischen Einlage begann der Arzneimittel- und Dopingexperte Prof. Dr. Fritz Sörgel seinen Vortrag im Rahmen der Vortragsreihe der Freunde und Förderer des Klinikums Forchheim e.V. mit dem Titel „Doping – Schneller, höher, weiter in Sport und Gesellschaft“.

Amphetamine, Methylphenidat und Modafinil heißen heutzutage die „kleinen Helfer“ – Stimulanzien und stimulans-ähnliche Substanzen, die die geistige Leistungsfähigkeit steigern sollen. Der Wunsch das eigene Potential durch Einnahme von Substanzen aller Art zu steigern sei nicht nur Spitzensportlern vorbehalten, so Prof. Sörgel. Als Beispiel zieht er den 1996 verstorbenen ungarischen Mathematiker Paul Erdös heran, der sich auf dem Gebiet der Kombinatorik, Graphen- und Zahlentheorie einen Namen gemacht hat. Dieser wettete 1979 um 500 Dollar, dass er es schaffen würde 30 Tage ohne Aufputschmittel durchzuhalten. Er verzichtete auf Kaffee, Koffeintabletten und Amphetamine und gewann die Wette. Erdös meinte aber, diese Wette hätte die Mathematik um einen Monat zurückgeworfen, da er während dieser Zeit keinen Gedanken zu Papier gebracht habe.

Arzneimittelmissbrauch versus Doping

Auch bei Turnierschachspielern, Künstlern und Kampffliegern ist die Einnahme von Stimulanzien, Antidementiva, Antidepressiva und Betablockern – gegen Lampenfieber! – weit verbreitet. Prof. Sörgel warnt davor, diesen Arzneimittelmissbrauch zur Steigerung der geistigen Leistungsfähigkeit als „Doping“ zu bezeichnen. Der Begriff „Doping“ sei die Bezeichnung für die Einnahme von verbotenen Substanzen beziehungsweise Methoden, allein zur Steigerung von sportlichen Leistungen. Schlagwörter wie „Doping fürs Haar“ seien zu vermeiden, fordert der Leiter des Instituts für Biomedizinische und Pharmazeutische Forschung in Heroldsberg.

Erfolgreich bis zum Tod

Wie weit Spitzensportler bereit sind zu gehen erläutert der Wissenschaftler anhand vom „Goldman-Dilemma“. 1982 stellte der US-amerikanische Arzt und Publizist Bob Goldman 198 Eliteathleten die Frage, ob diese bereit wären eine Substanz einzunehmen, die sportlichen Erfolg garantiert, aber innerhalb von fünf Jahren den eigenen Tod zur Folge hätte. Die Hälfte der Befragten bejahte diese. Dabei werden die Methoden des Dopings immer drastischer: Um beim Blutdoping das mit roten Blutkörperchen angereicherte Eigenblut im Flugzeug zu transportieren wurde den Athleten vor Antritt des Fluges bis zu ein Liter Blutkonzentrat in den Kreislauf infundiert. Nach der Landung wurde es wieder abgezapft. Der Sportler ist Transporteur des Eigenblutkonzentrats mit unvorhersehbaren Folgen für seine Gesundheit. Die neueste Entwicklung scheint der Einsatz von Kobalt zu sein. Das Schwermetall hat in geringen Mengen den gleichen Effekt wie das Blutdoping-Mittel Epo. Die Doping-Kontrolleure scheiterten bisher an folgendem Problem: „Sie können nur das finden, was sie suchen“, erklärt Prof. Sörgel, und „Jeder Einsatz von Doping ist vom Wissensstand in der Chemie abhängig.“ Zum ersten Mal würden jetzt „Non-target-Screenings“ bei der Dopingkontrolle angewandt, die es erlauben Aussagen über unbekannte, unerwartete Substanzen in der Probe zu treffen.

Die hochkarätige Zuhörerschaft – darunter zwei ehrenamtliche Dopingkontrolleure, ein Vertreter der Dopingbeauftragten des Bayerischen Triathlon Verbands – stellte Fragen zu vergangenen Dopingfällen, wie denen von Lance Armstrong und Jan Ulrich. Stefan Pohl wies darauf hin, dass die Nationale Anti Doping Agentur NADA Programme aufgelegt habe mit dem Ziel in Sportvereinen Kinder, Eltern und Trainer für das Thema zu sensibilisieren und vor den Gefahren der Leistungsmanipulation zu schützen.

Klinikumsgeschäftsführer Sven Oelkers überreichte zum Dank für den Vortrag ein kleines Geschenk.

Forchheim – Im Klinikcheck punktet das Klinikum Forchheim-Fränkische Schweiz beim Einsetzen von künstlichen Hüftgelenken. Das Krankenhaus belegt in der ersten Performance-Gruppe den dritten Platz von insgesamt 27 Kliniken, die diese Leistung anbieten, und zählt damit zu den „Top-Performern“. Für die Eingruppierung ausschlaggebend sind zwei Komponenten – die Daten aus der externen stationären Qualitätssicherung und der Routine- und Abrechnungsdaten der AOK. Die Platzierung innerhalb einer der fünf Gruppen gibt Aufschluss über die Fallzahlen. Dr. Uwe Lehmann, Chefarzt der Unfallchirurgie und Orthopädie am Klinikum Forchheim, unterstreicht: „Die Eingruppierung spiegelt die langjährige kontinuierliche Verbesserung der einzelnen Abläufe von der OP-Vorbereitung bis zur Nachsorge wieder und die Umsetzung der regelmäßig durchgeführten Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen in allen beteiligten Bereichen.“

Nach wissenschaftlichen Kriterien haben die Forscher PD Dr. Martin Emmert und Prof. Oliver Schöffski von der Universität Nürnberg-Erlangen am Lehrstuhl für Gesundheitsmanagement in Zusammenarbeit mit einer Tageszeitung insgesamt 43 Kliniken im Umkreis von 50 Kilometern um Nürnberg anhand von öffentlich zugänglichen Qualitätsberichten, Abrechnungsdaten der AOK, Fallzahlen und Daten zur Patientenzufriedenheit der „Weissen Liste“ bewertet.

Vierzehn Leistungsbereiche

Dabei werden 14 Leistungsbereiche mit insgesamt 295 veröffentlichungspflichtigen Indikatoren bewertet, von Hüft-und Knieoperationen, Geburtshilfe, Brustkrebs-Operationen, Eingriffe an der Halsschlagader, am Herzen und an der Gallenblase bis zur Behandlung von Prostatabeschwerden. Der Klinikcheck wurde 2016 eingeführt und veröffentlicht jährlich ab Anfang Juni die Ergebnisse. Nicht alle Leistungen bietet das Klinikum Forchheim-Fränkische Schweiz an. Da die Daten, die der Studie zugrunde liegen, in einem Zeitraum vor 2018 erhoben wurden, bilden sie neuere Entwicklungen nicht ab. So erzielte das Klinikum Forchheim-Fränkische Schweiz seit Einführung der roboterarmassistierten Chirurgie bei Kniegelenkersatz-Operationen im April 2018 bei einer internen Befragung gute Ergebnisse. Die Mako®-Patienten waren sechs Wochen nach der OP wesentlich zufriedener mit ihrer neu erlangten Beweglichkeit als die herkömmlich Operierten.

Forchheim – Durch Beschluss der Bayerischen Landesärztekammer vom Mai 2019 erhielt die Internistin und Diabetologin Dr. Elisabeth Dewald die volle Befugnis, Ärzte in der Zusatzweiterbildung im Schwerpunktfach Diabetologie am Klinikum Forchheim-Fränkische Schweiz auszubilden.

Diese 18-monatige Weiterbildung muss nachgewiesen werden, um die Prüfung Diabetologie (WO 2004) nach den Richtlinien der Bayerischen Landesärztekammer abzulegen.

Vor allem für niedergelassene Ärzte bietet diese Weiterbildungsmöglichkeit am Klinikum Forchheim die Chance, ihre jungen Nachwuchsärzte schwerpunktmäßig zu fördern und deren Ausbildungsspektrum zu vergrößern.

Dr. Elisabeth Dewald reichte den Antrag im Oktober 2018 ein, sie musste einen detaillierten Lehrplan erarbeiten sowie die fachliche Kompetenz neben weiteren logistischen Voraussetzungen darlegen. Nach Prüfung durch die Bayerische Landesärztekammer und Vorstandsbeschluss wurde die Befugnis erteilt. Inhaltlich orientiert sich die Weiterbildung an der zweijährigen Zusatzqualifizierung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) mit dem gesamten Spektrum aller Grundlagen, Therapieformen und Begleiterkrankungen des Diabetes mellitus.

Laut Statistik (2017) des Bayerischen Amtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit sind im Landkreis Forchheim knapp 10.600 ambulante Patienten mit Diabetes mellitus ansässig. Im Vergleich zu anderen Regierungsbezirken in Bayern weist Oberfranken die größte Dichte von Erkrankten auf. Vier Diabetologen sind im Landkreis in diabetologisch orientierten Hausarztpraxen in Forchheim und in Ebermannstadt tätig.